Zusätzliche Maßnahmen gegen Tagestouristen in den Ferienregionen

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Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 01.04.2020 17:02 Uhr

SALZKAMMERGUT. Der Tagesausflugs-Tourismus nimmt mit dem zunehmend warmen Wetter gerade in den Ferienregionen zu. Jetzt wurden zusätzliche Maßnahmen für die Salzkammergut-Gemeinden angeordnet: insbesondere verstärkte Polizeikontrollen für Ausflugsgäste, um große Menschenansammlungen in den Gebieten zu verhindern.

Nicole Eder, Bürgermeisterin von Steinbach am Attersee, hatte in einem Facebook-Post an „alle Tageswanderer, Zweitheimische, welche unsere schöne Gemeinde so lieben wie wir Einheimische“ appelliert: „Wenn jeder in seiner Gemeinde spazieren gehen würde, bzw. wandern würde, wäre das äußerst respektvoll uns Einheimischen gegenüber - hin und her zu fahren von A nach B , das ist uns gegenüber in Steinbach am Attersee einfach nicht fair!“ Sie bat: „Bitte seht das doch endlich ein und bleibt zuhause und somit gesund!“

Der gleichen Meinung ist auch Gerald Egger, Bürgermeister von Seewalchen am Attersee: „Fest steht, dass es in der derzeitigen Situation absolut nicht vernünftig ist, weitere Distanzen zu überbrücken und womöglich auch unterschiedliche Haushalte zusammen zuführen (Kinder, Eltern, Großeltern).“ An die Tagesausflugsgäste und Atterseefans appellierte er: „Bleiben Sie zuhause und besuchen Sie uns erst wieder wenn keine besonderen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Corona Virus mehr eingehalten müssen.“

Geht gar nicht: Menschenmassen, die im Salzkammergut wandern

Landeshauptmann Thomas Stelzer wendet sich heute auch in einem Schreiben direkt an die Bürgermeister der südlichen Ferienregionen, insbesondere im Salzkammergut. Darin kündigt er die zusätzlichen Maßnahmen an, um den Ausflugstourismus zu unterbinden. Bereits ab morgen, 2. April, werden durch die Landesstraßenverwaltung die Parkmöglichkeiten für Tagesausflugsgäste limitiert.

„Nicht nur die Bürger, sondern auch die Bürgermeister sind besorgt und verärgert über die vielen Ausflugsgäste in unseren beliebten Tourismusregionen. Und klar ist auch, dass das schöne Frühlingswetter zu Ausflügen und zu Spaziergängen in unsere wunderschöne Landschaft einlädt und dass viele Familien in einer Wohnung ohne Garten leben. Aber es kann auch nicht sein, dass die Bundesregierung einerseits notwendige Ausgangsbeschränkungen verhängt, um große Menschenansammlungen zu verhindern, und gleichzeitig Menschenmassen durch das Salzkammergut oder andere Regionen wandern“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landesrat Günther Steinkellner, der für die Landesstraßenverwaltung in der oö. Landesregierung zuständig ist.

Es geht um Gesundheit und Menschenleben

Stelzer hat die betroffenen Gemeinden auch gebeten, selbst Initiativen zu starten, „um die noch verbleibende und uneinsichtige Minderheit davon zu überzeugen, dass es um unser aller Gesundheit und um Menschenleben geht.“ Das Land Oberösterreich wird außerdem allen Gemeinden Musterplakate zur Verfügung stellen, mit denen sich die Gemeinden an ihre Bürger sowie an Ausflügler wenden und verstärkte Bewusstseinsbildung betreiben können. Die Mottos dieser landesweiten Kampagne lauten „Fahr nicht fort. Spazier“ im Ort.„ bzw. “Bleib gesund. Bleib im Ort.„

Limitierte Parkmöglichkeiten

Ab morgen, 2.April werden die Parkmöglichkeiten für Tagesausflugsgäste vom Land OÖ limitiert. Im Bereich der Landesstraßenverwaltung betrifft dies: Langbathsee (Ebensee), Offensee (Ebensee), Gosausee und Umgebung (Gosau - fünf Parkplätze), Almsee (Grünau), Mondsee (Loibichl), Irrsee (Zell am Moos), Irrsee (Tiefgraben), Attersee (Litzlberg) und Traunsee (Bräuwiese, Traunkirchen)

“Der Schutz unserer Bevölkerung ist aktuell die wichtigste Aufgabe der Politik. Ich habe für jeden Mitbürger, der Luft zum Atmen benötigt und eine physische oder psychische Erholung braucht, vollstes Verständnis. Besonders in Krisenzeiten ist aber der Hausverstand gefordert. Deshalb sollten Massenansammlungen vermieden werden und auch bei Bewegungen im Freien und der Natur, die notwendigen Abstände und Vorkehrungen eingehalten werden„, so Landesrat Steinkellner.

Zugang zu Wanderwegen wird eingeschränkt

Auch die touristischen Beteiligungen der OÖ Landesholding werden das Parkplatzangebot und den Zugang zu Wanderwegen ab 2. April stark einschränken. Dies umfasst die Parkplätze der OÖ Seilbahnholding in Ebensee am Feuerkogel, Obertraun-Krippenstein und Gosau-Hornspitzbahn genauso wie in Hinterstoder, bei der Wurzeralm und am Kasberg. Ergänzend wurden alle Geschäftsführer der oberösterreichischen Tourismusverbände ersucht, in Absprache mit der betreffenden Gemeinde Maßnahmen umzusetzen, um das Auftreten von großen Menschengruppen zu verhindern.

Lokalaugenschein in Mondsee

In der Marktgemeinde Mondsee sei die Lage relativ ruhig, so Bürgermeister Josef Wendtner. Von der Bevölkerung seien ihm in dieser Richtung keinerlei Probleme zugetragen worden und auch dem Ortschef selbst fiel keine Zunahme von Ausflugstouristen auf. Der Bustourismus sei schon vor Wochen untersagt worden. Auch den beliebten Wanderweg im Helenental ließ der Bürgermeister sperren. “Weil der Weg so schmal ist, dass die Wanderer beim Ausweichen nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand einhalten könnten„, so Wendtner im Gespräch mit Tips. 

Viel Präsenz gibt es von der Polizei, die durch das Gemeindegebiet patrouilliert. Und tatsächlich: Bei einem Lokalaugenschein an der Kaipromenade dauert es nur einige Minuten bis ein Polizeiauto vorfährt. “Das ist sehr lobenswert„, ist Bürgermeister Wendtner zufrieden. Derzeit gebe es übrigens fünf Corona-Virus-Fälle in der Marktgemeinde, sagt er.

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Kommentare

  1. Werner
    Werner02.04.2020 17:54 Uhr

    Anonymus - Lange scheinbar nicht erkannt. Bleibt zuhause. Ein besorgter Familienvater

  2. Anonymus
    Anonymus02.04.2020 15:20 Uhr

    Nach der Krise auch nicht mehr ins Salkammergut - Also die ganze Zeit Geld scheffeln, und jetzt will man keine Städter, obwohl überall der Mindestabstand eingehalten werden kann, natürlich steht Herr Stelzer seinen Spezies bei, Schwarze bzw Türkis nur geldgierig

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