In Detailarbeit der Geschichte Vorchdorfs auf der Spur
VORCHDORF. Bei der Eröffnung der „dritten Ausbaustufe“ der Kitzmantelfabrik im November stellt Georg Breckner sein Geschichts-Lesebuch und Nachschlagewerk „Vorchdorf in den Jahren 1900 bis 1930“ vor. Für die Arbeit daran hat er tausende alte Fotos gesammelt und historische Dokumente studiert. Mittlerweile sind die Gesichter der “früheren“ Vorchdorfer für ihn schon fast wie alte Bekannte.

Was man in Geschichtsbüchern lesen kann, ist nicht immer besonders aussagekräftig, ist Georg Breckner überzeugt: „Viele schreiben von einander ab, dazu kommt die „Geschichtsschreibung der Sieger“. Wirkliche Qualität hat es, Geschichte anhand von Originaldokumenten zu erforschen – das ist spannend“, beschreibt der Vorchdorfer seinen Zugang. Der gelernte Techniker nutzte eine unfreiwillige berufliche Auszeit vor fünf Jahren dazu, sich ein neues Arbeitsfeld zu schaffen und erforscht seither die lokale Geschichte Vorchdorfs.
Tschippendorf-Heimatbuch
Historisch interessiert war Breckner aber schon früher – so schrieb der Vorchdorfer, der selbst von Siebenbürger Sachsen abstammt, 1999 das Buch „Spuren & Bilder aus Chepan“, ein Heimatbuch der ehemaligen Siebenbürgischen Gemeinde Tschippendorf, deren Bewohner nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam nach Vorchdorf aussiedelten.
Ungezählte „Hausbesuche“
Für sein nunmehriges Projekt, bei dem er von Franz Ettlinger unterstützt wird, hat der 62-Jährige rund ein Viertel bis ein Drittel der Vorchdorfer Häuser besucht – immer auf der Suche nach Informationen, alten Dokumenten und Fotos. Besonders ergiebig sind dabei die Bauernhäuser, in denen „auf Geschichte viel Wert gelegt wird.“
Akribische Recherche
Oft fehlen allerdings die Namen zu den Bildern, oder es sind nur wenige der Personen bekannt. Eine spannende Herausforderung für den akribischen „Gemeindechronisten“: Anhand bereits bekannter Personen wird das Bild zunächst zeitlich eingeordnet – so waren Hilfspfarrer (“Kooperatoren“) immer nur wenige Jahre in Vorchdorf im Einsatz. „Wenn ich dann auf einem Hochzeitsbild einen bestimmten Kooperator sehe, weiß ich: Das kann nur in dieser Zeit gewesen sein.“
Dann zieht Breckner historische Personenstandsverzeichnisse, die Pfarr- und Zivilmatriken, zu Rate: „In dem konkreten Fall schaue ich dann, welche Hochzeiten es in dieser Zeit in der betreffenden Familie gegeben hat – und kann so die Personen identifizieren.“ Denn Breckners Ziel ist es, zu jedem der Abgebildeten auch Geburts- und Todesjahr herauszufinden: „die kürzest mögliche Biografie“.
Dazu kommen Forschungsarbeiten im Zeitungs-Onlinearchiv der Nationalbibliothek, im Landesarchiv und der Landesbibliothek, aber auch in alten Grundbüchern.
Bettelbriefe zeugen von großer Not der 1930er-Jahre
Für ein weiteres Projekt, eine Chronik der Brauerei Eggenberg, erhielt er zudem Einblick in die Dokumentensammlung der Familie Stöhr – was auch dem Blick auf die Vorchdorfer Geschichte weitere Aspekte hinzufügte. „Es sind zum Beispiel aus den 1930er-Jahren sehr viele Bettelbriefe aus dem gesamten Liefergebiet der Brauerei an Emmy Stöhr erhalten, die als sehr sozial bekannt war. Die Zahl der Briefe nimmt im Lauf der Zeit zu – man kann sich vorstellen, dass die Not immer größer geworden ist“, so Breckner.


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