„Ein gutes Bildungsangebot hält Junge in der Region“
VORCHDORF. Vom Bildungsangebot bis zur Kultur ist in Vorchdorf vieles im Gange. Tips sprach mit Bürgermeister Gunter Schimpl über seine Ziele, seine Sorgen und seine Kraftquellen.

Tips: Es ist spürbar, dass die Orte der Region im Wandel sind. In Vorchdorf und Umgebung gibt es viel Zuzug, wie geht die Gemeinde damit um?
Bürgermeister Gunter Schimpl: Vor allem junge Familien aus der Umgebung wählen Vorchdorf zu ihrem Lebensmittelpunkt. Da unser Ort ein sehr vielfältiges und offenes Vereinsleben hat, ist es bei uns sehr schnell möglich, in der Gesellschaft Anschluss zu finden. Neubürger erhalten zudem eine Informationsmappe. Als Besonderheit biete ich als Bürgermeister gelegentlich eine Erkundungstour durch Vorchdorf an.
Tips: Was braucht eine Gemeinde, damit junge Menschen nicht in die Städte abwandern?
Schimpl: Das Wichtigste ist ein gutes Bildungs- und Ausbildungsangebot. Hier können wir mit der Neuen Mittelschule und der Polytechnischen Schule große Erfolge verzeichnen. Auch ein enges Netzwerk mit der Wirtschaft besteht. Veranstaltungen wie der Girlsday und die Jobrallye, bei der sich die hervorragenden Ausbildungsbetriebe aus Vorchdorf und Umgebung vorstellen, begeistert junge Menschen für den Ausbildungsweg in Vorchdorf.
Tips: In Vorchdorf nimmt man ein aktives kulturelles Leben wahr. Was sind die Gründe dafür?
Schimpl: Ich nehme Vorchdorf als eine sehr offene Gesellschaft war. Bei uns hat die Tradition aber auch die Moderne Platz. Den Verantwortlichen der Marktgemeinde ist es ein Anliegen, Kultur zu fördern. Die Kitzmantelfabrik nutzen neben den Vereinen auch Veranstaltungsagenturen. Im Ort befinden sich auch zahlreiche Museen. Beispielsweise bietet das im Privatbesitz befindliche Motorradmuseum gerade eine Sonderschau zu Rennmotorrädern aller Epochen. Auch die großartige Sammlung des Heimatmuseums wird gerade neu aufgebaut.
Tips: Worin liegt das Besondere am Museumsprojekt?
Schimpl: Die Sammlung des Museums ist sehr vielfältig und hat einige besondere Schätze zu bieten. Der Bogen wird von frühzeitlichen Funden bis in die Jetztzeit gespannt. Für Vorchdorf sehr bedeutend sind die Krumhuber-Uhren. In einer Epoche von über 100 Jahren wurden die Meisterwerke im 17. und 18. Jahrhundert in Vorchdorf gefertigt. Bereits im November 2018 soll die Sammlung des Heimatvereins im derzeit noch brachliegenden Bauwerk der Kitzmantelfabrik ein neues Quartier bekommen. Ziel ist es, die Vorchdorfer Ortsgeschichte aber auch die Gegenwart anhand der vorhandenen Exponate und Dokumente sowie mit den Möglichkeiten der modernen Technik dem Publikum zu präsentieren.
Tips: Was macht einem Bürgermeister Sorgen?
Schimpl: Sorgen bereitet mir, dass sich die Gesellschaft in Teilbereichen immer mehr zurückentwickelt. Merkbar ist das im sprachlichen Ausdruck. Einerseits verroht unsere Sprache zusehends, andererseits verliert sie, beeinflusst durch Social Media, an Eleganz und Ausdruckskraft. Beobachtbar ist auch, dass sich viele sehr zurückziehen. Ein sichtbares Zeichen dafür sind hohe Gartenzäune in Siedlungen.
Tips: Die Funktion als Bürgermeister fordert sehr. Wo liegen Ihre Kraftquellen?
Schimpl: Die größte Kraftquelle liegt in der Familie. Kraft schöpfe ich auch bei handwerklichen Tätigkeiten, beim Bergwandern und bei Reisen. Viel Energie schöpfe ich mir aus dem Inneren heraus. Oft sind es die eigenen Ideen, die mich anspornen und deren Umsetzung mir Freude bereitet. Positive Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger geben mir besonders viel Energie und machen mir für meine Aufgaben Mut.


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