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WEITERSFELDEN. Ein Tuch aus reiner, schwarzer Seide, gestärkt mit dunklem Malzbier, ein paar Haarnadeln und einiges an Geschick ist nötig, um das schwarze Kopftuch zu binden. Eine Technik, die nicht in Vergessenheit geraten soll, findet die Bezirksobfrau der Goldhauben- und Kopftuchgruppen.

Christa Hayder aus Weitersfelden stand das breit gebundene Seidentuch besonders gut.
  1 / 5   Christa Hayder aus Weitersfelden stand das breit gebundene Seidentuch besonders gut.

Neben den Gold- und Perlhauben spielt die edle Kopfbedeckung heutzutage eher eine untergeordnete Rolle – zu Unrecht, wie Hildegard Biemeier meint. Grund genug für die Weitersfeldenerin, zur Versammlung ihrer Ortsgruppe zwei Damen einzuladen, die das Kopftuchbinden noch beherrschen und die Technik gerne weitergeben.

Rund 40 Bindetechniken bekannt

Christine Kriechbaumer aus Königswiesen und Barbara Haslhofer aus Pierbach führten verschiedene Bindetechniken vor. „Bei uns hat sich das Kopftuchbinden erhalten, weil wir das Tuch nach jedem Tragen wieder aufmachen“, sagt Christine Kriechbaumer, stellvertretende Obfrau der Goldhaubengruppe Königswiesen. Neben der „Königswiesener Technik“ gibt es aber noch rund 40 weitere Bindetechniken für die schwarze, biergestärkte Seide, die sich als Kopftuch ab etwa 1820 etabliert hat. Es ist damit jünger als die Gold- und Perlhauben.

Ausdruck des Wohlstandes

Hildegard Biermeier hat sich mit der Geschichte des schwarzen Kopftuchs beschäftigt und herausgefunden, dass Kopftuchtrachten besonders in Oberösterreich, Bayern und Salzburg beheimatet waren. Einen ersten Höhepunkt erreichte das Kopftuch mit der Bauernbefreiung 1848. Damals erlebte die bäuerliche Bevölkerung einen nie zuvor bekannten wirtschaftlichen Aufschwung. Nach außen zeigten man diesen durch das Tragen eines bäuerlichen Festgewandes, schwarze Miederjacken und lange schwarze Röcke) mit einem Kopftuch. Diese Tradition setzte sich bis weit ins 20. Jahrhundert fort. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwand diese Kopfbedeckung allmählich aus dem Alltag, bis sie dann in den 1970-er und 1980-er Jahren mit der Gründung der Goldhauben- und Kopftuchgruppen wieder auflebten.

Ledig, verheiratet, heiratswillig?

An der Form der Bindung – schmal, breit, mit einem, zwei, drei oder sogar vier Zipfeln – konnte man einst die Herkunft der Trägerin erkennen. Zudem sprach die Bindeart der Tücher früher für Eingeweihte noch eine andere Sprache: War die Trägerin ledig, verheiratet oder verwitwet? War sie heiratswillig oder nicht? Und hatte sie Kinder, wenn ja, wie viele? Dieses Wissen ist heute zwar nicht mehr präsent, die Tücher selbst sollen in der Region aber wieder einen Aufschwung erfahren. Einige Weitersfeldner Goldhauben-Damen nahmen von der Versammlung bereits ihr „maßgefertigtes“ Kopftuch mit nach Hause.

Viele Bilder vom Kopftuch-Abend gibt es in der Tips-Bildegalerie! 


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