Leserbrief: "I kenn mi nimma aus!"
WELS. Georg Kransteiner, Ehrenobmann des Seniorenbund Wels, hat sich an die Tips-Redaktion gewandt. Es geht um das Thema Digitalisierung und Senioren.

Gleich vorweg: Ich habe nichts gegen digitalen Fortschritt, bei dem Österreich nicht hinten bleiben darf. Technischer Fortschritt gibt es seit der Steinzeit, der ging aber sehr langsam vor sich. Die Menschen hatten Zeit, sich anzupassen. Die jetzige digitale Entwicklung geht sehr rasch voran und dringt tief in alle Lebensbereiche. Immer mehr Erledigungen des Alltages (Infos, Anfragen, Behördenwege, Förderungen aller Art und so weiter) können nur mehr mittels Computer oder Smartphone digital erledigt werden. Viele Senioren haben nur ein Handy. Sie haben aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum Internet. Wegen Sehschwäche oder eingeschränkter Feinmotorik können viele auch kein Smartphone nutzen. Ich erlebe immer wieder, dass viele Senioren auf die Hilfe durch andere angewiesen sind. Aus Scham verzichten sie auf notwendige Hilfen. Besonders schlimm geht es jenen Senioren, die keine nahestehenden Bezugspersonen in unmittelbarer Umgebung haben. Das führt zu einer massiven Altersdiskriminierung. Von dieser Ausgrenzung sind leider auch viele Jungsenioren betroffen, die beruflich nichts oder nur sehr wenig mit Computern zu tun hatten.
Davon betroffen sind nicht nur die sogenannten „einfachen Leute“. Darauf zu warten, dass die Nicht-Computer-Generation ausstirbt, ist zu wenig. Der Zugang zu allen gesellschaftlichen Bereichen muss für alle, hier besonders für die Senioren, gewahrt bleiben.
Ich wundere mich nicht mehr, dass ich immer öfters höre: „I kenn mi nimma aus.“
von Georg Kransteiner, Ehrenobmann Seniorenbund Wels


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