Mehr Feingefühl, Kommunikation und die Frage nach dem Hilfspaket
MARCHTRENK. Bürgermeister Paul Mahr (SP) spricht Klartext. Es fehle oft an der Kommunikation und dass man als Wels-Landler zum Impfen nach Wels ins Klinikum muss, stößt auf kein Verständnis. Generell kämen die Infos an die Gemeinden viel zu spät.

Tips: In Marchtrenk wohnen rund 15.000 Menschen. Zum Impfen muss man nach Wels ins Klinikum und zur freiwilligen Testung nach Buchkirchen ins Veranstaltungszentrum. Wie hoch ist das Verständnis des Bürgermeisters dafür?
Mahr: Ehrlich gesagt habe ich kein Verständnis mehr dafür. Die über 80-jährigen Impfwilligen nach Wels zu schicken, zeigt von wenig Feingefühl gegenüber unserer älteren Bevölkerung. Die hätten wir sehr einfach, ohne lange Wege, ohne Parkplatzprobleme und weniger Anmeldechaos, in ihrem gewohnten Umfeld in Marchtrenk impfen können. Die Verlegung der offenen Dauer-Teststation nach Buchkirchen ist mir bis heute unbegreiflich.
Tips: Sie kritisieren, dass es zu wenig Infos an die Gemeinden und vor allem die Bevölkerung gibt?
Mahr: Fast alle Informationen erhalten wir Freitagnachmittag oder am Wochenende mit einer Umsetzung ab Montag. Zuletzt bei unseren Kolleginnen in der Kinderbetreuung, wo alle ab Montag einen gültigen negativen Test vorzulegen hatten beziehungsweise sonst eine FFP2-Maske zu tragen hätten. Die Kindergärten sind jede Woche gut gefüllt und die pädagogisch negative Auswirkung der Masken auf unsere Kinder kennen wir – wenn wir nicht am Samstag 150 Tests (für sechs Kindergärten) in vielen Apotheken zusammengekauft hätten, wäre es Montag morgens zum großen Chaos gekommen. Die Informationen kommen sowohl für die gesamte Bevölkerung, aber auch für die Gemeinden als Ansprechpartner, als Schulerhalter und Auftraggeber für die lokale Wirtschaft immer sehr spät, oft zu spät!
Tips: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden, Bezirkshauptmannschaft und so weiter?
Mahr: Die Zusammenarbeit auf Gemeindeebene läuft wie immer, über alle Parteigrenzen hinweg, sehr gut. Im Dezember waren aus vier Gemeinden die Feuerwehren bei den Teststationen in Marchtrenk eingeteilt und alles ist bestens, auch laut anwesender Gesundheitsbehörde, verlaufen. Auch wenn die Bezirkshauptmannschaft sicher derzeit sehr viel zu organisieren hat, wäre etwas mehr direkter Kontakt mit den leitenden Personen von großem Nutzen.
Tips: Wie sehen Sie die derzeitige Stimmung bei der Bevölkerung bezüglich der Pandemie? Die Verunsicherung und der Frust werden immer größer?
Mahr: Mit den vielen Fehlern und Versäumnissen der verantwortlichen Landes- und Bundesstellen in der Bekämpfung der Pandemie schwindet natürlich das Vertrauen der Bevölkerung. Zu wenig Impfstoffe, wer kriegt welchen, wer kommt als Erster dran und das Herumlamentieren beim Lockdown – Lockerungen, aber auch Verschärfungen – verschlimmern die Situation immer mehr. Auch politische Trittbrettfahrer nützen leider die uneinige Politik zu diesem Thema.
Tips: Die finanzielle Situation für Gemeinden wird immer prekärer. Das Land und der Bund haben Gemeindepakete beschlossen. Kommen diese Hilfen auch wirklich an oder sind sie Lippenbekenntnisse?
Mahr: Wie auch bei vielen Wirtschaftstreibenden liegt bei den großzügigen Hilfen durch Bund und Land die Schwierigkeit im Detail. Beim ersten Paket konnten wir 1,4 Millionen Euro für ein Bauprojekt abrufen, wenn eine kleinere Gemeinde wenig oder nichts investiert, dann wird es schon schwierig. Das zweite Hilfspaket stellt überhaupt nur mehr ein Ausborgen unserer Ertragsanteile ab dem Jahr 2023 dar. Wenn wir die 1,2 Millionen Euro in eineinhalb Jahren wieder zurückzahlen dürfen, ist der Ausdruck Hilfspakete schon etwas hoch gegriffen. Vom Land Oberösterreich sind wir aufgerufen, die lokale Wirtschaft mit Aufträgen zu unterstützen, dann brauchen wir auch wirkliche Hilfe.


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