Wohnmodelle zeigen, wie Jung und Alt voneinander profitieren können

Laura Voggeneder Online Redaktion, 11.11.2019 16:28 Uhr

OÖ. Die alternde Gesellschaft beschäftigt auch Wohnbauträger und Architekten. Beim Symposium „Wohnen im Herbst“ der Architekten- und Ziviltechnikerkammer OÖ und Salzburg haben Experten über das Thema diskutiert und gelungene Beispiele von Wohnmodellen für Ältere präsentiert.

Soziale, gesellschaftliche und räumliche Bedürfnisse im Alter stehen nicht immer im Einklang mit den tatsächlich vorhandenen Angeboten. Um die Frage, wie man damit umgehen soll und kann, drehte sich das fünfte Symposium „Wohnen im Herbst“ am 26. September im Architekturforum Linz. Soziologe und Universitätsprofessor Christoph Reinprecht stellt in seiner Forschung fest, dass sich Menschen erst spät mit der altersgerechten Gestaltung ihres Wohnens beschäftigen.

Es herrsche „wenig Kultur der vorausschauenden Kommunikation und angemessener Information. Bis zum Eintritt der Pflegebedürftigkeit ist “gutes„ und selbstbestimmtes Wohnen gefragt“, sagt Reinprecht.

Veränderungen im Alter

Je urbaner gebildete Menschen als Paare in einem gemeinsamen Haushalt leben, desto größer ist die Umzugsbereitschaft im Alter. Dass ältere Personen ihren Wohnort immer öfter wechseln, merken auch die Immobilienanbieter. Es sei kein Tabu mehr, im Alter etwa das zu groß gewordene Haus zu verkaufen, sagt Ernst Mittermair, Geschäftsführer von sReal Oberösterreich. Ebenso sind ebenerdige Bungalows für Menschen im höheren Alter immer öfter in den Programmen von Baufirmen zu finden.

Mehrgenerationenwohnen

Bei „Wohnen im Herbst“ diskutierten die Experten vor allem über Wohnmodelle, bei denen mehrere Generationen unter einem Dach zusammenleben. Soziologe Reinprecht erklärte, dass die ökonomischen und sozialen Vorteile zu einer steigenden Akzeptanz solcher Wohnformen beitragen. Kritisch sei zu sehen, dass soziale Kompetenzen gefordert seien und das Verhältnis von Privat und Gemeinschaft schwierig sein könne.

Wohnen in der Giesserei

Als Positivbeispiel für Mehrgenerationenwohnen dient die „Giesserei“ im Schweizer Winterthur. Das Architekturbüro Galli-Rudolf aus Zürich entwickelte einen genossenschaftlich selbstverwalteten Gebäudekomplex, der 2013 eröffnet wurde. Im Holzbau sind 140 unterschiedlich große Wohnungen untergebracht. Am häufigsten halfen sich die Bewohner gegenseitig bei der Kinderbetreuung und im Haushalt, wie eine Begleitstudie des Projekts zeigte.

Dass die Jungen weniger Zeit in die Selbstverwaltung des Gebäudes investieren als die Älteren, sorgt jedoch für Spannungen. Es brauche einen guten Mix bei Bewohnern und untergebrachten Gewerben sowie die Einbindung der Generationen entsprechend ihrer Möglichkeiten.

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