Hersteller neigen bei neuen Modellen zum Griff in die eigene Mottenkiste. Wenn sie so reichlich gefüllt ist wie bei Renault dann auch völlig zu recht.

Eine ruhmreiche Vergangenheit zu haben kann nie schaden. Wer blickt nicht gern zurück auf vergangene und manchmal auch vergessene Erfolge. Letzteres kann den Autoherstellern nicht passieren, via der E-Mobilität feiern diverse Modelle eine ganz eigene Wiederauferstehung. Ford Capri, Opel Frontera und Fiat Grande Panda fallen uns da spontan ein. Renault ist dieser Zugang nicht unbekannt, mit dem Renault 5 hat man eine Punktlandung geschafft.
Von da her ist der neue Renault 4 nur logische Konsequenz, es wäre ja geradezu fahrlässig eine derartige Ikone brach liegen zu lassen. Jüngere Semester verstehen da jetzt vielleicht nur Bahnhof, ist eh okay, der 4er wurde 1961 lanciert und 1994 eingestellt. Das Gute ist, man muss ihn weder kennen und schon gar nicht gefahren sein, um dem Charme des aktuellen Renault 4 zu erliegen. Den Franzosen gelingt ein feiner Spagat zwischen leichten Retroanleihen und modernem Touch.
Sprich, man kann sich beim Anblick des schrägen Hecks, den drei markanten Rillen an den Türen, den trapezförmigen Seitenfenstern oder dem kapselförmigen Design der LED-Rückleuchten in der Sekunde auf eine Zeitreise begeben. Oder aber sich einfach nur am Design erfreuen. Weitaus wichtiger erscheint uns ein Bekenntnis zu Farben. Es gibt den Renault natürlich in Gletscher-Weiß oder Urban-Grau, quasi in handelsüblicher Tristesse. Wir sagen dazu: Unterstehen sie sich.
Unsere Bilder sagen da eh alles. Cooles „Wolken“-Blau, Motorhaube und Dach in Schwarz und Dekor an den Frontflügeln sorgen für viel Leichtigkeit. Dürfte auch andere Verkehrsteilnehmer beflügeln, ständig wurde uns Vorfahrt angeboten, selbst heiß begehrte Parkplätze vor Einkaufszentren wurden uns höflich überlassen. Final stimmig wurde das Erlebte noch durch das schicke Interieur mit seinen recycelten Stoffen und Kunstleder mit Zierelementen in Gelb.
Man kennt derart Zugang vom 5er, der 4er ist quasi sein großer Bruder. Deutlich größer positioniert er sich es klassisches City-SUV, offeriert für vier Erwachsene ein großzügiges Platzangebot nebst großem und variablen Kofferraum. Deckungsgleich ist dafür das Interieur, Gott sei Dank muss man sagen, weil die Mischung aus einigen Tasten und hochauflösenden Touchscreens komplett überzeugt. Viele Ablagen gibt es als i-Tüpfelchen, den Audio-Bediensatelliten als Reminiszenz an sich selber.
Angeboten wird der Renault 4 mit 120 oder 150 PS, zwei Akkuvarianten stehen zur Wahl. Wir fuhren in beiderlei Hinsicht die Top-Variante und würden diese als solche auch empfehlen. 245 Newtonmeter und ein Sprint auf 100 km/h in 8,2 Sekunden ziehen einem dann zwar auch nicht die Schuhe aus, lassen den R4 aber souveräner und gelassener agieren. Hektik ist ihm sowieso fremd, wobei ihm trotz komfortablen Fahrwerk eine gewisse Agilität inne wohnt.
Keine Hektik auch beim Laden. Maximal 100 kW sind für ein City-SUV okay, detto die WLTP-Reichweite von 409 Kilometern. Vorbildlich: Wärmepumpe ist immer an Bord, die Top-Ausstattung „Iconic“ bringt noch Sitz-Lenkradheizung, Keyless, 18-Zoll Felgen und einiges mehr mit . Kostenpunkt: 36.390,00 EUR.
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Echt lässig: Wohl dosiertes Retro.
Echt stressig: Die Farbenwahl. „Hauts-de-France“-Grün“ drängt sich auf, „Karmesin-Rot“ auch.
Echt fett: Charme und Design.
Echt schade: Dass wir den Sport-Modus nicht probiert haben. Hat sich nie aufgedrängt.
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Daten Renault 4 E-Tech Electric Iconic 150 PS Comfort Range
Motor: 52 kWh Akku (Netto)
Spitzenleistung: 150 PS
Dauerleistung: 106 PS
Max. Drehmoment: 245 Nm
Reichweite: ca. 340 km
Vmax: 150 km/h
0 auf 100 km/h: 8,2 Sek
Preis Testmodell ab 36.390,00 EUR
Preis Basismodell ab 29.560,00 EUR










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