Gedenkkapelle und Jakobsweg

Online  Redaktion Tips Redaktion Online Redaktion, 16.03.2017 11:06 Uhr

 

OBERBERGERN/KREMS-LAND. Die kleine Ortschaft Oberbergern ist der Ausgangspunkt für eine gemächliche Rundwanderung durch den nördlichen Dunkelsteinerwald. Der regionale Wallfahrtsweg lässt sich gut mit dem überregionalen Jakobsweg verbinden.

von ERICH SCHACHERL

 

Die Ermordung eines pilgernden Ehepaares Anfang des 17. Jahrhunderts ist der traurig-tragische Grund für die Errichtung der Gedenkkapelle „Zur Toten Frau“, die südlich von Oberbergern im Wald steht. Eine schlimme Geschichte. Ich lasse die Gedanken daran los.

Gemütlich bin ich nach dem Abmarsch beim Dorfstadel (365 m) in Oberbergern dem Wallfahrerweg zur Toten Frau gefolgt, der hier gleichzeitig auch ein Abschnitt des Niederösterreichischen Mariazeller Weitwanderweges 06 ist. Die Bäume präsentieren sich im bezaubernden Herbstkleid, von aufregend gelb-orangen Buchenwäldern hin zu beruhigend grünen Nadelbaumfeldern und harmonisch eingefärbtem Mischwald. Ein farbliches Vergnügen der besonderen Art ist es zu sehen, wie sich der Wald verändert.

 

Kapelle und Marterl

Ich habe einen dieser besonderen Tage erwischt, als ich die Runde durch den Dunkelsteinerwald gehe. Himmlisches Licht durchflutet die Luft, es macht das Schauen und Fotografieren besonders aufregend. Die Sonnenstrahlen wärmen noch Anfang November, das tut gut. Die Gedenkkapelle (575 m) erreiche ich nach einer knappen Stunde.

Weitere fünf Minuten später kommt ein einfaches Marterl, das an den „Toten Mann“ erinnert. 180 bis 190 Schritte danach dreht die Route nach rechts und folgt einer anderen Forststraße. Linkerhand taucht der „Erste Klingelbach“ auf, dessen Lauf ich bis zur asphaltierten Hauptstraße folge. Er plätschert, gluckst und gurgelt, klingeln höre ich ihn allerdings nicht. Bei der Asphaltstraße gehe ich rechts, folge ihr einige Minuten bis zu einer Kreuzung, wo ich mich dann nach links wende. Ein Stück gerade, dann kurvig und leicht ansteigend weiter bis zur Bergener Höhe( 425 m). Dort stoße ich auf mehrere Wege, beispielsweise den Welterbesteig oder den Jakobsweg. Ich wende mich nach rechts.

 

Dann ein besonderer Ausblick. Am Horizont im Hintergrund, fast schon im Himmel, thront Stift Göttweig über der Szenerie. Davor ausgewogen und harmonisch Felder, Oberbergern und Herbstwald. Das sieht schön aus.

An einem dort befindlichen Rastplatz am Jakobsweg geht es um das „Ritual des Boten“, ein Text, den der bekannte Autor Paulo Coelho hinterlassen hat. Der letzte Wegabschnitt führt am Waldrand und zwischen Feldern hindurch. Ein Stück Jakobsweg, ein Stück Welterbesteig und das letzte Stück auf einer schmalen Asphaltstraße zurück hinein nach Oberbergern.

 

Alte Römerstraße

Oberbergern ist seit 1968 Katastralgemeinde der Gemeinde Bergern im Dunkelsteinerwald. Geografisch zählt die Gegend zum Mostviertel, geologisch zum Waldviertel, Teile – die Weingärten in Unterbergern – zum Landschaftsschutzgebiet Wachau. Interessant ist außerdem, dass die einzelnen Orte der Gemeinde alle an der gleichen Hauptverbindungstraße liegen. Diese wiederum folgt über weite Strecken der Trasse der Römerstraße, die in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten errichtet wurde, um das römische Kastell Favianis (Mautern) und die Wehrtürme am Südufer der Donau – beispielsweise bei Rossatzbach oder Bacharnsdorf – erreichen zu können. 

 

 

GEHZEIT: ca. 3 Std.

ANSTIEGE: 210 Höhenmeter

WEGBESCHAFFENHEIT: Asphaltstraßen, Forststraßen

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