Kraft tanken im mystischen Mühlviertel

Claudia Schallauer, , 06.04.2021 19:24 Uhr

Das Mühlviertel steht wie keine andere Region für Mystik und Märchen. Moosbedeckte  Waldböden, sagenhafte Blocksteine, die an Fabelwesen erinnern und ein sanftes Auf und Ab bieten Natur-Erholung für die ganze Familie. Zahlreiche Rastplätze und die Kombination 3er Kraftplätze findet man auf dem Naturparkweg.

 

Der großzügige Parkplatz direkt im Zentrum von Rechberg lässt unsere Wanderung entspannt beginnen. Ein „Baum“ an Wegweisern offeriert zahlreiche Alternativen, wir wählen Weg Nr. 4, den „Naturparkweg“. Mit einer Länge von ca. 7km bietet er in einem hügeligen Auf- und Ab das Beste aus der Region: sagenhafte Steinskulpturen und verwunschen-schöne Wälder.

 

Die Kirche zu unserer Linken, starten wir Richtung Norden die asphaltierte Straße hinab, um die Kurve und wieder aufwärts einen Bauernhof querend um schon nach ca. 15 Minuten das 1. Highlight und gleichzeitig Wahrzeichen von Rechberg: den Schwammerling. Ein typischer Mühlviertler Wackelstein, der je nach Betrachtungsseite Donald Duck oder einer Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfigur ähnelt und Motiv für eindrucksvolle Fotos bietet.

 

Von Zwergen und Füchsen

Hier beginnt nun auch der Waldweg, der uns weiter an Höhenmetern gewinnen lässt. Entdeckt ihr die 4 Gartenzwerge im 1. Blockstein-Gebilde? Je nach Motivation nehmen wir den extra Anstieg zum Fuchsbau, einer moosbewachsenen Fels-Formation in Angriff, der das steilste Stück des gesamten Weges darstellt. Oder man umrundet diesen und trifft auf der anderen Seite der Erhebung wieder mit dem Abstiegsweg zusammen.

 

Um den 2. Kraftplatz zu erreichen, geht„s noch mal auf die Straße. Das ist typisch für viele der Mühlviertler (Weit)Wanderwege, dass diese wunderbare Orte kombinieren, aber das Miteinbeziehen von asphaltierten Verbindungsstraßen bedingt. Der Verkehr ist ruhig und wir erreichen entspannt den höchsten Punkt unserer Rundwanderung: die rechts der Straße auf 696m gelegene Pammerhöhe. Ein Holzkreuz ziert die 1990 als Naturdenkmal ausgezeichnete weitläufige Ebene, die wie ein Ufo-Landeplatz anmutet. Hier genießen wir nach ca. der Hälfte der Wegstrecke eine Mittagsrast: großzügig verteilte Bänke aber auch die Steine selbst bieten hier gemütliche und abgeschiedene Möglichkeit zum Erholen.

 

Ins Stein- und Wolken-Reich

Energiegetankt folgen wir dem weiteren Straßenverlauf bis zur Gabelung – hier gibt es die Möglichkeit links einen 5-Minuten-Abstecher zum Elefantenstein zu machen, was ich Familien mit Kindern ans Herz legen möchte. Rechts an der Gabelung der direkte Rückweg, der zuerst bergab führt, eine Straße kreuzt  und danach wieder ansteigt. Am Ende der Straße befinden wir uns auf einer großen Ebene: vor uns der Großdöllnerhof, ein ca. 400jähriges Freiluftmuseum und rechts der Steinlehrpfad mit zahlreichen Exponaten der unterschiedlichen Flyschzone-Gesteinsarten. Dieses Areal ist ein Paradies zum Picknicken, zahlreiche Holz- und originelle Steintische laden zum Verweilen ein. Wir passieren die Jägerkapelle auf unserer rechten Seite und freuen uns auf den beginnenden Waldweg, der uns zu Highlight Nr. 3 bringt: der 1983 errichteten Karl-Weichselbaumer-(Aussichts-)Warte.

96 Stufen trennen uns von dem heutige etwas diesigen Panoramablick  vom Schneeberg im Osten, Gesäuse, den weiß gemalten Bergen der Pyhrn-Priel-Region, gefolgt vom Traunstein und dem Pöstlingberg ganz im Westen. Wir blicken auf bekannte Gipfel und lassen uns zu neuen Bergtouren inspirieren.

 

Verträumt genießen wir im Abstieg den ebensolchen Waldabschnitt begleitet von quirlig-gelben Zitronenfaltern.  Wir verlassen den Naturpark und nehmen den Schwung der bergabverlaufenden Straße mit, bis wir direkt vor unserem Auto zum Stehen kommen. Wäre es jetzt Sommer, würden wir die 4 Minuten bis zum Rechberger Badesee anschließen, dessen Temperatur wir heute nur mit den Fingern messen. Ein bisschen kühles Nass gibt es aber noch, da wir bei der Heimfahrt beim Herwigsbründl, wenige Meter nach der Ortseinfahrt Bad Zell, unsere leeren Wasserflaschen mit dem erfrischenden Quellwasser auffüllen.

 

PS: Wir sind die Wanderung übrigens gegen den Uhrzeiger gegangen, da wir der Sonne entgegengehen wollten. In diese Richtung ist die Beschilderung manchmal etwas schwieriger festzumachen, mit dem GPS-Track, den ich im Online-Artikel bereitstelle, sollte es aber kein Problem sein. Vorteile: Man hat ev. mehr Ruhe am Wochenende, wenn man anders geht als die meisten. Mein persönlicher Hintergedanke war, den Sonnenstand optimal auszunutzen. Falls die Beschreibung zu dieser Richtung jemanden interessiert, schreibt mir an schallauerclaudia@gmail.com und ich schicke euch den Wegverlauf zum leichteren Orientieren gerne zu.

 

Und wer der Magie des Mühlviertels genauso verfallen ist wie ich, kann von Bad Zell aus den Stoakraftweg mit knapp 50km Länge in zwei Tagen am besten in einer 8-er Schleife gehen. Oder auch direkt von hier in den Johannesweg einsteigen, einen der ersten der nun wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Pilgerwege im Mühlviertel. Neu z.B. der Sebaldus- und der Granitpilgerweg. Alles tolle Ziele für die heurige Wandersaison, aber darum geht“s erst m nächsten Artikel in Claudia„s Tipp. Heute widmen wir uns der WanderZEIT

 

 

Claudias Tipp: Wie kann ich die Dauer einer Wanderung kontrollieren/berechnen?

 

Ich möchte meine 1. Online-Leserfrage aufgreifen “Ob ich einen GPS-Track zu meiner beschriebenen Tour habe?„.  Ja, ich hatte selber eine Mischung aus zwei verwendet, die ich im Online-Artikel zur Verfügung gestellt habe. Ich selbst tracke nicht mit. Warum? Weil ich sehr viel fotografiere und auch gerne ausprobiere, d.h. hinter Abzweigungen schaue, etc. Das ergäbe manchmal eine spinnennetzartige Aufzeichnung mit komplett falscher Wegzeitberechnung. Und darum geht es heute: die Einschätzung der WEGZEIT.

 

 GPS-fähige Handys haben unser Wanderverhalten stark verändert. Dank zahlreicher GPS-Tracks aus dem Internet steht uns eine Fülle an Touren in Sekundenschnelle zur Verfügung. Diesen aber blind zu vertrauen, ist gefährlich, denn: JEDER kann seine Touren öffentlich bereitstellen – und da liegt auch oft die Krux. Wer macht das gerne? Oft Menschen, die sehr viel und zügig unterwegs sind und ihre Zeiten tracken wollen.

 

Daher hier das 1x1 der Wegzeitberechnung - die Basics:

Du benötigst zwei Daten: 1. Weglänge (aufgeteilt in Hin- und Rückweg) und 2. Höhenmeter

 

Berechnung:

Grundregel: als Basis gilt: 1h für 4km sowie bergauf 1h für 400hm bzw. bergab 600hm. Du berechnest die Zeit für die Länge und jene für die Höhe separat und addierst diese, wobei du vom kleineren Wert nur die Hälfte nimmst. Das gleiche für den Rückweg.

 

Ein Beispiel mit Zahlen: Wanderung 4km, 600hm

 

Hinweg: das sind 1h für 4km  sowie 1,5h für 600hm. d.h. 1h/2 + 1,5h = 2h.

Rückweg: die Dauer für die Strecke ist ident mit 1h, 600hm bergab ergibt 1h – D.h. (1h/2) +1h = 1 1/2. Gesamt sind das 3,5h.

 

Alternativ kannst du für den Abstieg auch 75% der Aufstiegs-Zeit nehmen – d.h. von 2h, also 120min. sind das 90min, das sind 1 1/2h und gesamt 3,5h. Also das gleiche Ergebnis etwas schneller.

 

Wichtig: Das ist natürlich die reine Gehzeit – ohne Pausen. Und Pausen solltest du ab 2h Gehzeit unbedingt machen, zum Trinken alle 45 bis 60min.

 

Wie ist das nun bei Rundwanderungen: Hier nehme ich die Gesamtlänge, d.h. bei unserer Tour 7km. Das sind lt. Schlussrechnung 105 Minuten für die Weglänge. Und für die Höhe, die ja eine Mischung aus Bergauf und Bergab ist, nehme ich den Mittelwert von 500hm/h, bei unseren 300 sind das 36 Minuten. Die darf man hier nun nicht halbieren D.h. das ergibt 141min., d.h. ca. 2h 20min. reine Gehzeit. Ihr seht, die auf der Gemeindetafel angegebene Wegzeit von 3,5h ist sehr großzügig angegeben., in der Broschüre sind 2,5-3h abgedruckt J.

 

Dazu möchte ich anmerken: wenn du vor Ort eine Wandertafel mit Zeit-Infos entdeckst: In Tourismusregionen sind Wegzeiten auf den Schildern oft sehr großzügig und motivierend angegeben. Diese schafft man meist ganz gut in der veranschlagten Dauer und unterschreitet diese auch manchmal. Bei schwierigeren oder weniger touristischen Bergtouren sind die Zeiten hingegen oftmals eher knackig. Wichtig ist, dass du dich kennenlernst – bist du eher ein guter Bergaufgeher oder ein furchtloser Bergabgeher? Mit Stecken kannst du das Tempo oft leicht erhöhen, durch Anschieben beim Aufstieg und Vortasten und schnellerem sicheren Steigen bergab.

 

Die oben genannte Formel ist für eine kleinere Gruppe (ca. 4 Personen), wenn du nur zu zweit gehst, bist du oftmals schneller.  Probier doch die Berechnung bei deinen nächsten Wanderungen aus und vergleiche das Ergebnis mit deiner tatsächlichen Geh-Zeit. So bekommst du eine gute auf dich abgestimmte Einschätzung.

 

Wichtig, wenn du in Gruppen unterwegs bist: je größer die Gruppe, desto mehr Puffer brauchst du auch – da viel mehr kleine Pausen auftreten, die sich summieren: durch Kleidung-Ablegen, etwas trinken oder auch mal austreten J

 

Apropos: Wenn ihr beim Wandern austretet, nehmt nach Möglichkeit auch für euch ein “Doggy Bag„ (also ein verschließbares Sackerl) mit – gerade jetzt, wo das Wandern uns so viel Kraft und Ausgleich bietet, sollten wir der Natur keine Müllberge hinterlassen.

 

 

WANDERDATEN: NATURPARKWEG

AUSGANGSPUNKT: 48°19´17“N, 14°42„43“E

Großer (Wander-)Parkplatz direkt im Zentrum von Rechberg, ca. 30 Plätze

 

GEHZEIT:

ca. 2,5h, ca. 7 km

ANSTIEG:

ca. 300 Höhenmeter, ein hügeliges Auf und Ab

 

 WEGBESCHAFFENHEIT:

Wald-Wanderwege, Wiese, Asphalt

 

GEEIGNET FÜR:

Genuss-Wanderer, Familien mit Kindern, mit Hunden

 

Panorama-VIDEO vom Schwammerling: hier klicken

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