Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ENGELHARTSZELL. Nach Linz hat Engelhartszell die meisten Anlegungen von Kreuzfahrtschiffen in Oberösterreich. Aus Sicht des Tourismus und auch der Wirtschaft ist das eine äußerst erfreuliche Entwicklung. Was des einen Freud ist, ist aber oft des anderen Leid. So klagen Bewohner über Luftverschmutzung und Lärm und fordern eine umweltfreundliche Versorgung der Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom.

Die Bürgerinitiative in Engelhartszell fordert Landstrom für Kreuzfahrtschiffe. (Foto: Symbolbild Weihbold)

„Eine Initiative für unsere Gesundheit in unserer liebenswerten Gemeinde. Wir treten ein für ein weiterhin lebenswertes und sauberes Engelhartszell, in Symbiose mit sanftem Tourismus“, heißt es auf der Homepage (www.luftkurort-engelhartszell.at) der Bürgerinitiative „Luftkurort“ Engelhartszell, die eine Versorgung der in Engelhartszell anlegenden Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom fordert. „Wir wollen die Leute sensibilisieren, dass die Luft im Donauraum immer gut war. Leider ist das nicht mehr so und die Tendenz ist nach wie vor steigend“, erklärt Gerald Zauner von der Bürgerinitiative und sagt weiter: „Es handelt sich bei den Schiffen um technisch-hochmoderne schwimmende Luxushotels. Leider ist die Infrastruktur an Land nicht auf dem neuesten Stand der Technik.“

Landstrom anstelle von laufendem Dieselaggregat

Kabinenschiffe, die in Engelhartszell anlegen und über Nacht bleiben, tun dies bei laufendem Dieselaggregat, um die Versorgung an Deck gewährleisten zu können. Ihnen steht kein Landstrom zur Verfügung. „Wir haben nichts gegen die Kabinenschiffe, wir fordern lediglich, dass diese Schiffe mit Landstrom versorgt werden, um die Umwelt und unsere Gesundheit zu schützen“, erklärt Erwin Kaltseis, Mitglied der Bürgerinitiative und ehemaliger Gemeindearzt in Engelhartszell.

Info-Abend am 12. April

Die Bürgerinitiative lädt am Freitag, 12. April, 20 Uhr, zu einem Info-Abend zum Thema „Auswirkungen der Kabinenschifffahrt im Bezug auf Gesundheit und Umwelt“ ins Gasthaus Steininger in Engelhartszell ein, bei dem Zahlen und Fakten rund um die Kabinenschifffahrt präsentiert werden, mit Gerüchten, die im Donaumarkt kursieren, aufgeräumt wird und Simon Hartl (Via donau) sowie Franz Berger (pensionierter Allgemeinmediziner) zum Thema referieren werden.

Studie in Auftrag gegeben

Die vier Verantwortlichen der Bürgerinitiative sind mit der Bitte um Unterstützung bereits im September letzten Jahres an Bürgermeister Roland Pichler herangetreten. Dieser hat daraufhin eine Studie in Auftrag gegeben, die die Schadstoffbelastung im Donaumarkt messen soll, die nun von der Abteilung Umweltschutz vom Land Oberösterreich präsentiert wurde. In Engelhartszell wurden insgesamt 128 Tonnen für fahrende und angelegte Schiffe errechnet. „Diese Berechnung basiert allerdings auf keiner Luftschadstoffmessung, sondern auf Hochrechnungen aufgrund von Anlegezahlen“, erklärt Friedrich Bernhofer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich. Um zu echten Werten zu kommen, die auf Messungen basieren, hat Engelhartszells Bürgermeister Roland Pichler eine Messstation beantragt, die demnächst errichtet wird.

Gemeinsame Problemlösung gefordert

Dass das Thema Landstrom bei den Verantwortlichen auf der Tagesordnung steht, zeigt auch der letzte Woche stattgefundene runde Tisch im Verkehrsministerium, bei dem Friedrich Bernhofer eine gemeinsame Vorgangsweise der drei Donau-Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Wien mit dem Bund in den Fragen Fäkalien- und Abfallentsorgung sowie Landstrom für Kabinenschiffe forderte. Für die offene Frage der Finanzierung schlug er ein ähnliches Modell wie in Bayern vor. Im benachbarten Passau errichten die Stadtwerke als örtlicher Energieversorger die gesamte Infrastruktur für die Stromanschlüsse, liefern die Energie und verrechnen diese an die Kreuzfahrt-Reedereien. „Die Kosten für die Herstellung der Anschlüsse sind erheblich und belaufen sich für rund 1.200 Ampere auf etwa 400.000 Euro pro Anlegestelle“, so Bernhofer.

Zwei Arbeitsgruppen: Landstrom und Fäkalien

Die Via donau zeigte beim runden Tisch auf, dass rund 180 Schiffe auf der gesamten österreichischen Donau etwa 1.265.000 Passagiere befördern, unter anderen 705.000 auf Linienschiffen und 450.000 auf Kabinenschiffen. Wegen dieser laufend steigenden Zahlen wird das Verkehrsministerium gemeinsam mit der Via donau als österreichweiter Koordinator umgehend zwei Arbeitsgruppen einrichten: Eine zur Lösung der Fäkalien- und Abfallproblematik und eine zur Umsetzung der Versorgung mit Landstrom. Sowohl das Land Oberösterreich als auch die Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich Tourismus GmbH als Betreiber der landeseigenen oberösterreichischen Anlegestellen sagten dafür ihre Mitarbeit zu.

Priorität bei Luftsanierungsgebieten

Verkehrsminister Norbert Hofer wies unter anderem darauf hin, dass bei den Stromanschlüssen den bekannten Luftsanierungsgebieten eine besondere Priorität zukomme. Wo Grenzwerte überschritten werden, drohen hohe Strafzahlungen an die EU. „Derzeit sind die Anlegestellen an der österreichischen Donau ohne Stromanschluss behördlich bewilligt und werden völlig legal betrieben. Nach der ehestmöglichen Klärung der Finanzierung für die Landstrom-Anschlüsse sollen die sieben Anlegestellen in Linz mit Strom versorgt werden, da es in der Stadt zu zahlreichen Grenzwertüberschreitungen kommt. Dann sollen die Anschlüsse im Ort mit den zweithöchsten Schiffsanlegungen in Oberösterreich, nämlich in Engelhartszell errichtet werden, wo laut Studie derzeit kein einziger Grenzwert überschritten wird“, erklärt Friedrich Bernhofer.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden