Wald zunehmend in Frauenhänden
TRAUNKIRCHEN/OÖ. 30 Prozent der Wald(mit)besitzenden in Österreich sind Frauen. Um sie sichtbarer zu machen und ihre Vernetzung zu fördern, wurde wie berichtet die Konferenz „Wald in Frauenhänden“ am Waldcampus in Traunkirchen durchgeführt. Mehr als 460 Personen nahmen am Programm teil.

Die erste internationale Konferenz zur Gleichstellung der Geschlechter in der Forstwirtschaft wurde online aus dem Waldcampus Traunkirchen in Oberösterreich abgehalten. Sie verzeichnete mehr als 460 Teilnehmende von Nepal über Sierra Leone bis hin zu Mexiko und Finnland. Einig waren sich viele von ihnen darin, dass Forstwirtschaft männerdominiert sei und es an Chancengleichheit fehle. Warum das der Fall ist? „Veränderungen gehen nicht schnell und einfach. Erst müssen wir bestehende Normen und Strukturen sichtbar machen und hinterfragen. Dazu müssen wir verstehen, dass Geschlechterrollen von Frauen und Männern wie auch von Organisationen und Netzwerken gemacht werden“, hielt Gun Lidestav von der Schwedischen Universtität für Agrar- und Landwirtschaft (SLU) fest. Wenn traditionelle Strukturen und Verhältnisse infrage gestellt werden würden, sei mit Widerstand zu rechnen. Daher würden Frauen Rückhalt brauchen.
Frauen in der Ausbildung fördern
Als Möglichkeit, Frauen in der Forstwirtschaft zu stärken, sehen andere Teilnehmende vor allem die Ausbildung. „Wichtig ist und bleibt es auch weiterhin Frauen in ihrer Ausbildung zu fördern und zu stärken, um in einer männerdominierten Branche Fuß zu fassen. Eine große Rolle spielen dabei erfolgreiche Netzwerke wie die Forstfrauen oder das 2019 vom BMLRT initiierte Frauenmentoring in der Forstwirtschaft“, sagt etwa Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Damit meint sie den Verein Forstfrauen, der unter anderem auf Wissens- und Erfahrungsaustausch zu Themen der Forstwirtschaft setzt. Er hat die Konferenz „Wald in Frauenhänden“ gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), der International Union of Forest Research Organizations (Iufro) und der International Forestry Student's Association (IFSA) im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) sowie des österreichischen Walddialogs organisiert.
„Frauenmentoring in der Forstwirtschaft“ ist ein Forschungsprojekt, das sich an Frauen richtet, die sich für ein Studium in der Forst- und Holzwirtschaft oder im Bereich Alpiner Naturgefahren entschieden haben. Ziel ist es, sie zu ermutigen, im traditionell männerdominierten Forst- und Holzsektor Fuß zu fassen. Konkret werden im Programm informelle und implizite Regeln der Branche vermittelt, bestehende Netzwerke erläutert und praktische Tipps für das Erreichen beruflicher Ziele gegeben. Hinter dem Projekt stehen das Institut für Landschaftsplanung der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien sowie das Bundesforschungszentrum für Wald. Die Zahl der Teilnehmerinnen wurde auf 15 beschränkt. „Gender sollte von Beginn des Studiums an offen diskutiert und in die forstliche Ausbildung einbezogen werden“, meinte Ifsa-Präsidentin Alina Lehikoinen aus Finnland bei der Konferenz „Wald in Frauenhänden“.
„Jugend ist bereit für Veränderungen“
Die Jugend sei schon bereit für Veränderungen, ergänzte Dagmar Karisch-Gierer, Obfrau der Forstfrauen: „Diese Konferenz hat mir gezeigt, dass Frauen in der Forstwirtschaft schon unglaublich viel erreicht haben. Die Hürden kennen wir. In der Zukunft ist von den Frauen in der Forstwirtschaft noch viel zu erwarten. Die Jugend ist schon bereit und ich freue mich auf ein gemeinsames Weiterarbeiten“. Mitnehmen können die Teilnehmenden der Konferenz „Wald in Frauenhänden“ in erster Linien neue Kontakte und Ideen, beispielsweise durch den virtuellen Marktplatz oder das Worldcafé mit Diskussionsräumen. Auch eine Modenschau des fünften Jahrgangs der Höheren Lehranstalt für Mode in Ebensee stand auf dem Programm. Ihre Kollektionen, die von Wald und Natur inspiriert sind, können online nachgesehen werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden