Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Online Redaktion, 12.07.2021 12:27

OÖ. Oberösterreich erprobt in einem Pilotprojekt die Anstellung pflegender Angehöriger - Tips hat berichtet. Jetzt fällt der Startschuss. Zunächst 30 Angehörige, die beeinträchtigte Kinder und Jugendliche in den Pflegestufen 5 bis 7 ab dem 3. Lebensjahr bis zum zehnten Schuljahr betreuen, werden vom Land OÖ angestellt, erläutert Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ). Die OÖVP sieht noch offene Punkte.

Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (Foto: Volker Weihbold)
Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (Foto: Volker Weihbold)

Vorwiegend leisten Frauen die Pflege für Familienangehörige und können aufgrund ihrer Pflegeleistung keinem Arbeitsverhältnis mit ausreichender sozialer Absicherung nachgehen, negative Auswirkungen wie Altersarmut können die Folgen sein. „Mit dem Pilotprojekt zur Anstellung betreuender Angehöriger setzen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein in Sachen Pflege“, ist Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer überzeugt.

Pilotphase: Betreuung beeinträchtigter Kinder 

Die Pilotphase ist zunächst eingeschränkt auf 30 Angehörige, die beeinträchtigte Kinder und Jugendliche in den Pflegestufen 5 bis 7 ab dem 3. Lebensjahr bis zur Beendigung des 10. Schuljahres betreuen. Personen, die primär die Betreuung durchführen und daher keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, erhalten eine Basisausbildung, eine Anstellung und die damit einhergehende sozialversicherungsrechtliche Absicherung.

Das Pilotprojekt versteht sich als Ergänzung zu bestehenden Angeboten, das sich in weiteren Schritten auch auf andere Zielgruppen ausweiten lässt.

Angestellt nach Kollektivvertrag 

Im Rahmen dieses Anstellungsverhältnisses werden Betreuungsleistungen auf Basis eines individuell erstellten Betreuungsplanes erbracht. Die Betreuung wird durch Fachkräfte angeleitet und begleitet. Die betreuenden Angehörigen müssen die Ausbildung zur Alltagbegleitung absolvieren. Das entsprechende Berufsbild wurde vom Landtag in seiner Sitzung am 8. Juli 2021 beschlossen und ist auf weiterführende Pflegeausbildungen anrechenbar. Je nach Ausmaß der Pflegebedürftigkeit wird das Anstellungsverhältnis festgelegt.

  • Pflegestufe 5: Anstellung im Ausmaß von 25 Wochenstunden
  • Pflegestufe 6: Anstellung im Ausmaß von 27,5 Wochenstunden
  • Pflegestufe 7: Anstellung im Ausmaß von 30 Wochenstunden

Die angestellten betreuenden Angehörigen werden nach dem Kollektivvertrag Sozialwirtschaft in der Verwendungsgruppe 4 entlohnt. Je nach anzurechnender Vorerfahrung bedeutet dies ein Bruttogehalt ab 1.965,70 Euro. Als finanzieller Beitrag zur Betreuung werden 50 Prozent des Pflegegeldes eingehoben.

Wissenschaftlich evaluiert

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die Projektlaufzeit beträgt 13 Monate, beginnend ab 1. August 2021. Die ersten Anstellungsverhältnisse sollen ab 1. September 2021 eingegangen werden und sind aufgrund der Pilotphase für ein Jahr befristet. Veranschlagt sind Gesamtkosten in Höhe von rund 857.000 Euro. 

OÖVP sieht noch offene Punkte

Nach Adaptierungen im Zuge der Beschlussfassung in der Landesregierung trägt die OÖVP das Modell einer Anstellung pflegender Angehöriger im Behindertenbereich mit. Die OÖVP fordert vor dem Start noch die Klärung von Aufnahmekriterien und arbeitsrechtlichen Fragen sowie die Evaluierung der Folgewirkungen.

So müsse es erstens klare Aufnahmekriterien geben, gemäß denen Angehörige in den Status der Alltagsbegleitung aufgenommen werden sollen, speziell auch mit Blick auf eine über der angepeilten Zahl von 30 liegenden Bewerbungen. Zweitens, müssten nach Ansicht der OÖVP durch ein Experten-Gutachten noch offene arbeitsrechtliche Fragen geklärt werden.

Was eine Anwendung des Modells im Bereich der Altenbetreuung anbelangt, bleibt OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer skeptisch: „Erfahrungen im Bereich der Altenbetreuung haben im Burgenland nämlich gezeigt, dass arbeitsrechtliche Fragen sowie Fragen der Betreuung außerhalb der regulären Dienstzeiten ein Anstellungsmodell schnell an Grenzen stoßen lassen. Daher sehen wir den Weg in die Zukunft eher in der bestmöglichen Unterstützung pflegender Angehöriger innerhalb der derzeitigen Systematik.“

Die OÖVP kann sich hier mit einem möglichen Pflege-Daheim-Bonus (Aufzahlung auf das Pflegegeld) anfreunden, bei der Pflegegeld-Einstufung eine Demenz-Erkrankung höher zu bewerten und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige bereitzustellen sind.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Wellnessoase Hummelhof in Linz wird für zehn Millionen Euro modernisiert

Wellnessoase Hummelhof in Linz wird für zehn Millionen Euro modernisiert

LINZ. Die Wellnessoase Hummelhof in Linz wird umfassend saniert - Tips hat berichtet. Zehn Millionen Euro werden dafür von der Linz AG in die ...

Tips - total regionalBrandstetter Olivia
Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

LINZ/HÖRSCHING/WIEN. Nachdem Transporte von Rindern aus Ungarn über den Linzer Flughafen nach Turkmenistan für Aufregung sorgten, hat das ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
35 Millionen Euro investiert: Maximarkt Linz eröffnet nach Modernisierung komplett

35 Millionen Euro investiert: Maximarkt Linz eröffnet nach Modernisierung komplett

LINZ. Der Maximarkt in Linz-Wegscheid wurde modernisiert. Am Freitag, 9. Oktober, findet die Gesamteröffnung statt. 35 Millionen Euro wurden ...

Tips - total regionalBrandstetter Olivia
Linzer Stadtsenat befasst sich am 15. Oktober mit Sicherheit

Linzer Stadtsenat befasst sich am 15. Oktober mit Sicherheit

LINZ. Die vier Arbeitsgruppen, die im Rahmen des Linzer Sicherheitsgipfels eingesetzt wurden, stellen ihre Ergebnisse am Donnerstag, 15. Oktober, ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Reinigungsfirma in Salzburg: Tipps von SCC OG für Unternehmen

Reinigungsfirma in Salzburg: Tipps von SCC OG für Unternehmen

Ö. Ob Büro, Hotel oder Gastronomiebetrieb, für Unternehmen in Salzburg kann ein reibungsloser Ablauf der Reinigung den Unterschied ausmachen. ...

Tips - total regionalAnzeige
Ostumfahrung Linz: Umweltbericht empfiehlt stadtnahen Korridor

Ostumfahrung Linz: Umweltbericht empfiehlt stadtnahen Korridor

LINZ. Die geplante Ostumfahrung soll die A7 entlasten. Der Umweltbericht empfiehlt dafür einen stadtnahen Korridor. Der genaue Verlauf der Straße ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Weitere Beiträge