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Sommergespräch mit Karin Chalupar: „Angst schüren ist gegen die Vernunft“

Online Redaktion, 01.09.2017 13:28

LINZ-LAND. In den Tips-Sommergesprächen befragen wir die Bezirksparteivorsitzenden über aktuelle Themen in Linz-Land. Diese Woche im Gespräch: Karin Chalupar, Bezirkssprecherin der Grünen Linz-Land.

Karin Chalupar
Karin Chalupar

von ELISABETH ZEILINGER

Tips: Was hat sich Ihrer Meinung nach in einem Jahr am meisten verändert?

Chalupar: Großpolitisch herrscht aufgrund der anstehenden Nationalratswahl mehr Unruhe im Land. Hier wird meiner Meinung nach auch sehr viel Angst geschürt. Die Probleme sind die gleichen, aber die Situation der Flüchtlinge hat sich beruhigt. Die meisten Flüchtlinge sind gut untergebracht und werden gut betreut. In Neuhofen etwa wurde eine Flüchtlingsunterkunft ja aufgelassen. Von elf sind maximal vier Flüchtlinge weggekommen, die anderen sind alle geblieben.

Tips: Man weiß aber auch, dass immer wieder neue Flüchtlinge nach Österreich kommen...

Chalupar: Ja, wir Grünen sagen ja nicht ,Alle Grenzen auf“, sondern wir sagen, es muss die Ursache in den betroffenen Ländern bekämpft werden. Aber wir können nicht in Afrika die Märkte zerschlagen und uns dann wundern, dass die Menschen zu uns kommen. Österreich leistet auch in Bezug auf Entwicklungshilfe gar nicht den Beitrag wie eigentlich nötig. Es braucht eine EU-weite Zusammenarbeit und Maßnahmen, damit die Menschen dort vor Ort gar nicht flüchten müssen. Das gehört thematisiert. Und dass man Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, nicht retten möchte, das darf im 21. Jahrhundert kein Thema sein und nicht ausgesprochen werden.

Tips: Viele Menschen fühlen sich nicht mehr richtig sicher im Land. Ist dieses Empfinden Ihrer Meinung nach subjektiv?

Chalupar: Wir leben ja in einem schönen, sicheren Land. Ich war jetzt viel unterwegs im Urlaub. Es war 23 Uhr am Linzer Hauptbahnhof und ich habe mich nicht unsicher gefühlt. Ich bin oft am Linzer Hauptbahnhof und bin immer wieder verblüfft, wenn ich in der Zeitung vom „hohen Gefährdungspotenzial“ lese. Hier sind auch Medien in der Pflicht, wie man etwas bringt. Wir haben eine hohe Sicherheit und Lebensqualität in unserem Land und das sollte man sich viel öfter ins Bewusstsein rufen. Mit Angst schüren handelt man gegen die Vernunft.

Tips: Was halten Sie davon, dass bei der anstehenden Wahl bewusst von SP und VP Themen der FPÖ besetzt werden?

Chalupar: Ich finde es sehr schade, dass immer noch Angst geschürt wird. Die Flüchtlingswelle ist bewältigt, wir haben einen Wirtschaftsaufschwung. Jetzt hätte man eigentlich Zeit, die wirklich wichtigen Dinge wie z.B. Klimawandel und Umwelt anzugehen. Eine positive Stimmung zu vermitteln gehört da auch dazu. Wenn es der Wirtschaft besser geht, dann ist man bereit hier etwas zu bewegen und es MUSS geschehen. Sieht man in die Zeitungen, liest man aktuell von der Flutkatastrophe in den USA – das kommt nicht von irgendwo. Jetzt wäre die Zeit, in Umwelt zu investieren, das wären auch gute und sinnvolle Arbeitsplätze.

Tips: Welche Linie fahren die Grünen, um die Chancen, die der Bezirk Linz-Land hat, zu stärken?

Chalupar: Wir wollen mit unserer Arbeit etwas bewegen. Im Bezirk haben wir in allen Gemeinden, wo wir im Gemeinderat sind, kleine Themen besetzt, die nur wir ansprechen. Das macht nicht ein Einzelner, der im Nationalrat sitzt. Die Politik wird in den Gemeinden gemacht. Zum Beispiel das Thema Öffis. Wenn man vor Ort ist, dann weiß man genau, welcher Bus bzw. welche Anbindung fehlt. Viele unserer Gemeindegruppen im Bezirk kümmern sich wirklich um die Kernthemen wie Umweltschutz, Arterhaltung, Klimawandel etc.

Tips: Gibt es konkrete Beispiele?

Chalupar: Die Grünen Piberbach etwa haben durchgesetzt, dass die Gemeinde eine Klimabündnisgemeinde wird und haben sich stark für den Bienenschutz eingesetzt und Wiesen angelegt. Die Grünen Pucking haben Anstoß gegeben, dass die Wirtschaftsförderung hinterfragt wird und gefragt ,Was bringt die Wirtschaftsförderung für die Kleinen im Ort selbst?“ Auch Carsharing in Neuhofen, Urban Gardening in Enns sind Themen, auf die wir aufmerksam machen.

Tips: Großes Thema bleibt weiterhin der öffentliche Verkehr?

Chalupar: Ich selbst bin Öffi-Fahrer und sehe den Tarif­dschungel, den es in Oberösterreich und somit auch im Bezirk gibt – das ist eine eigene Wissenschaft und das im Zentralraum! Hier bin ich klar für eine Vereinfachung der Tarife, z.B. in Form eines Bundesland-Tickets, mit dem man mit allen Öffis in bestimmten Zonen fahren kann. Es gibt ja auch schon vorbildliche Modelle in anderen Ländern, z.B. in Südtirol. Hier gibt“s ein Öffi-Ticket, das – je mehr man mit den Öffis fährt – billiger wird. Insgesamt wären auch mehr sinnvolle Querverbindungen im Zentralraum Linz wünschenswert, so dass nicht alles über Linz gehen muss.

Tips: Sie hinterfragen ja auch Großbauprojekte, wie etwa die geplante Umfahrung Ansfelden/Haid. Weshalb?

Chalupar: Bei ganzen Straßenbauten muss man einfach auch auf die Raumordnung achten und schauen, dass nicht zuviele Flächen verbaut werden. Das ist ein Thema, das man bei allen Projekten mitbedenken muss. Die geplante Autobahnabfahrt in Ansfelden ist zu begrüßen, hier wurde auch schon beachtet, dass man eine flächensparende Variante nimmt. Was wir jedoch kritisieren ist, dass einfach parallel dazu die Finanzierung von dem Projekt mit der Umwidmung entlang der geplanten Umfahrungsstraße vereinbart wurde. Auf diesen Flächen neben der Umfahrungsstraße sollen dann auf dem umgewidmeten Flächen Fachmärkte, Wirtschaftsbetriebe, etc. entstehen. Diese Umwidmung ist noch nicht geschehen, wir hoffen, dass sich da vielleicht noch eine andere Lösung findet. Diese Flächen sind dann viel mehr wert und dieser Mehrwert würde dann verwendet werden zur Finanzierung dieser Abfahrt. Wir begrüßen diesen Deal nicht, denn es wird mit einem Schwung alles zugebaut und dieser. Was dann an Verkehrsberuhigung in Haid gibt, wird dann rundherum wieder belastet. Wir können nicht unendlich umwidmen und bebauen. Nicht aus der Sicht des Umweltschutzes. Man kann nicht täglich Flächen in der Größenordnung von 30 Fußballfeldern österreichweit versiegeln. Wer braucht alle fünf Kilometer entlang der Straßen einen Supermarkt und auf der anderen Seite schließt man die kleinen Nahversorger direkt im Ort? Man kann Natur nicht einfach ersetzen. Gerade im Raum Ansfelden herrscht der dichteste Verkehr und gerade deshalb braucht es hier auch für das Klima einen Ausgleich.

Tips: Der Bezirk Linz-Land hat auch einen regen Zuzug. Finden Sie das gut oder schlecht?

Chalupar: Der Bezirk verkraftet das. Dieser Zuzug muss aber auch mit einem behutsamen Vorgehen in der Bebauung möglich sein, indem man nicht nur Einfamilienhäuser baut. Geförderter und verdichteter Wohnbau mit guten Wohnmodellen und eine gute Verkehrsanbindung gilt es zu beachten. Sonst hat man diese „Taxi-Fahrten“ der Eltern, wenn sie morgens ihre Kinder in die Schule bringen. Die könnte man sich sparen, wenn gute Anbindungen da sind, die fußläufig erreichbar sind.

Zur Person

  • geb. am 26. Mai 1959
  • wohnt in Neuhofen an der Krems
  • verheiratet, 2 erwachsene Söhne

Funktionen:

  • Bezirkssprecherin der Grünen LL
  • Gemeinderätin in Neuhofen
  • Sprecherin Grüne Neuhofen
  • Mitglied im Landesvorstand Grüne

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