So steht es um die Kinderbetreuung in Oberösterreich

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Wurzer Katharina, Leserartikel, 17.09.2021 16:31 Uhr

OÖ. Oberösterreich hat 1.282 Kinderbetreuungseinrichtungen wie Krabbelstuben, Kindergärten und Horte. Deren Öffnungszeiten, Ausbau oder die Nachmittagsgebühr in Kindergärten ab 13 Uhr waren in den vergangenen Monaten immer wieder Inhalt politischer Debatten. Tips hat daher Zahlen und Fakten gesammelt sowie sich bei Bildungs-Landesrätin Christine Haberlander umgehört und weitere Stimmen aus der Politik zusammengetragen.

Mit Stichtag 15. Oktober 2020 besuchten laut Statistik Austria insgesamt 65.027 Kinder Betreuungseinrichtungen im Land. Das entspricht durchschnittlich 51 Kindern pro Einrichtung. Der Großteil davon sind Kindergärten (733), gefolgt von Krabbelstuben (674) und Horten (667). Für all diese Kinder sind 10.525 Beschäftigte zuständig. An dieser Stelle ist zu ergänzen, dass Kinder, die von Tagesmüttern, Tagesvätern oder in ganztägigen Schulen betreut werden, in diese Zahl nicht eingerechnet sind (20.288 Kinder). Selbiges gilt für das Personal.

Betreuungsquoten im Bundesländervergleich

Wird die Betreuungsquote, sprich der Anteil der Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen im Vergleich zu allen gleichaltrigen Kindern, betrachtet, so zeigt sich, dass in erster Linie Drei-, bis Fünfjährige Kinderbetreuungseinrichtungen (93,7 Prozent) besuchen. Deutlich weniger sind es bei den Unter-Zweijährigen (17,8 Prozent). Hier fällt im Bundesländervergleich auf, dass außerhalb Oberösterreichs tendenziell mehr Kleinkinder betreut werden. In Wien liegt die Quote bei 43,1 Prozent, gefolgt von Burgenland mit 34,5 Prozent und Vorarlberg mit 29,2 Prozent. Dass in diesen Bundesländern insgesamt mehr Kinder betreut werden, also auch Kinder zwischen drei und fünf Jahren beziehungsweise sechs und neun Jahren, lässt sich jedoch nicht sagen. Dennoch stellt sich die Frage, ob die vergleichsweise niedrige Quote der Kleinkinder darauf zurückzuführen ist, dass der Betreuungsbedarf nicht höher ist (z.B. weil die Mutter noch in Elternkarenz ist oder andere Betreuungsmöglichkeiten hat) oder ob das Angebot aus anderen Gründen nicht verstärkt genutzt wird.

Kritik an Öffnungszeiten: nicht mit Vollzeitjob zu vereinbaren

Die Parteien SPOÖ und Neos OÖ sowie die Arbeiterkammer (AK) OÖ kritisieren etwa, dass die Öffnungszeiten von Krabbelstuben und Kindergärten in vielen Gemeinden nicht mit einem Vollzeitjob zu vereinbaren seien. Vereinbarkeit ist laut AK Kinderbetreuungsatlas 2021, auf den sie sich beziehen, etwa dann der Fall, wenn der Betrieb länger als fünf Urlaubswochen im Jahr pausiert und weniger als sechs (Unter-Dreijährige) beziehungsweise acht Stunden (Drei- bis Sechsjährige) täglich geöffnet ist. Während in den restlichen Bundesländern jede dritte Kinderbetreuungseinrichtung vor 16 Uhr schließt, sind es in Oberösterreich zwei Drittel. Haberlander hält entgegen, dass es bereits einen Trend zu längeren Öffnungszeiten gebe. „Die durchschnittliche tägliche Öffnungszeit liegt in den Kindergärten mittlerweile bei 8,3 Stunden und die wöchentliche Öffnungszeit bei durchschnittlich 41,6 Stunden. Die Festlegung der jeweiligen Öffnungszeiten erfolgt je nach Bedarf vor Ort von den Rechtsträgern in den Gemeinden. Um aber den Rechtsträgern vor Ort die Attraktivierung der Öffnungszeiten noch weiter zu erleichtern, soll durch eine Flexibilisierung der Rahmenbedingungen, vor allem zu den Tagesrandzeiten, eine weitere Ausweitung unterstützt und beschleunigt werden“. Auch an einer Reduktion der Schließtage in den Ferien werde gearbeitet.

Eine entsprechende Infrastruktur habe Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit, speziell von Frauen, sagt Neos-Landessprecher Felix Eypeltauer in einer Aussendung: „Die miserable Betreuungsquote bei den 0- bis 2-jährigen Kindern in Oberösterreich verschärft die Situation noch zusätzlich. Wir Neos fordern daher die Wiedereinführung der Gratis-Nachmittagsbetreuung. Ziel muss der Rechtsanspruch auf einen hochqualitativen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag sein. Nur dadurch können sich Eltern, wenn sie flexibler arbeiten oder vollerwerbstätig sein wollen, auf eine bestmögliche Versorgung ihrer Kinder verlassen, unabhängig vom Wohnort“.

Nachmittagsgebühr ab 13 Uhr

Hintergründe dieser Aussage sind unter anderem regionale Unterschiede, etwa dass Kinderbetreuungseinrichtungen in Linz tendenziell länger geöffnet sind als in Ried oder Vöcklabruck, beziehungsweise die Wiedereinführung der Nachmittagsgebühr, die allerdings Kindergärten und keine Kinder unter zwei Jahren betrifft. Seit Februar 2018 zahlen Eltern eine Gebühr, wenn sie ihr Kind ab 2,5 Jahren nach 13 Uhr im Kindergarten lassen. Das Büro von Bildungs-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) führt dazu aus: “Oberösterreich ist eines von vier Bundesländern, wo der Besuch des Kindergartens für Kinder ab dem 30. Lebensmonat bis 13 Uhr kostenlos ist. Für ein hochqualitatives Angebot nach 13 Uhr heben die Rechtsträger seit 2018 sozial gestaffelte Beiträge ein, wobei mit einem 2-, 3- und 5-Tagestarif größtmögliche Flexibilität gewährleistet wird und in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen auch ein gänzlicher Erlass der Beiträge möglich ist„. Die Elternbeiträge liegen zwischen 44 (Haushaltseinkommen bis zu 1.400 Euro brutto) und 115 Euro (Haushaltseinkommen ab 3.700 Euro brutto). Fakt sei laut Land, dass Krabbelstuben in den vergangenen sechs Jahren ausgebaut worden seien und bereits 83 Prozent der Kinder die Möglichkeit hätten, in ihrem Kindergarten bis 16 Uhr betreut zu werden. Das Angebot werde allerdings nur von drei Prozent der Kinder genutzt.

Mehr als jedes zweite Kind nur vormittags in Betreuung

Von einer “finanziellen Belastung für Eltern„ durch die Nachmittagsgebühr spricht hingegen die SPOÖ, die die Abschaffung fordert. Laut einer Befragung der AKOÖ (November 2018) hätten 20 Prozent der Eltern ihr Kind aufgrund der Gebühr von der Nachmittagsbetreuung gänzlich oder an einzelnen Tagen abgemeldet. Eine Recherche zeigt jedoch, dass diese Zahl mit Vorsicht zu betrachten ist. Elternbeiträge für den Nachmittag wurden vor drei Jahren nicht zum ersten Mal eingeführt. Im Vorjahr war laut Statistik Austria mehr als jedes zweite Kind (50,3 Prozent) nur vormittags in einer Betreuungseinrichtung, 41 Prozent waren ganztägig dort. Darunter sind vor allem Kinder in Horten, Kinder in Kleinkindbetreuungsgruppen (54,2 Prozent) sind noch eher ganztägig in Betreuung als Kindergartenkinder (35 Prozent). Hier kann wiederum die Frage nach dem Zusammenhang mit der Nachmittagsgebühr gestellt werden. Geht es nach den Grünen Oberösterreich beziehungsweise ihrem Parteiprogramm, sollten Kindergärten gänzlich beitragsfrei sein.

Uneinigkeit zwischen den einzelnen Parteien herrscht zudem beim Rechtsanspruch. Laut Haberlander könne dieser nicht garantieren, dass Eltern sofort einen Betreuungsplatz für ihr Kind bekommen würden. Verfahren würden oft lange dauern. In Deutschland habe der Rechtsanspruch dazu geführt, dass Gruppen überfüllt worden seien, um etwaigen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Ausblick

Die Kosten für Kinderbetreuung übernehmen in Oberösterreich das Land und die Gemeinden gemeinsam. 2019 wurden insgesamt rund 370 Millionen Euro ausgegeben. Wie berichtet sollen in den nächsten Jahren noch mehr als 200 neue Einrichtungen folgen. Ein Ausbau ist unter anderem auch in den Parteiprogrammen der FPOÖ und OÖVP festgeschrieben. Letztere fordern zudem mehr Angebote für Kinder unter drei Jahren sowie ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit “Deutschdefiziten„.

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