Grenzgänger zwischen Deutschland und Österreich - Was muss bei der Versicherung beachtet werden?
19

Grenzgänger zwischen Deutschland und Österreich - Was muss bei der Versicherung beachtet werden?

Tanja König, Leserartikel, 03.09.2018 17:22 Uhr

Bei Leuten, die an der deutsch-österreichischen Grenze leben, kommt es öfter vor, dass sie in einem Land arbeiten, aber in dem anderen Land leben. Diese sogenannten Grenzgänger sind keine Seltenheit mehr, aber bevor man Arbeit in einem anderen Land annimmt, sollte man sich genau über die Bedingungen und Sozialversicherungen informieren.

Regeln der EU 

Im Zuge der Europäisierung wurden bestimmte Regelungen getroffen, die das Arbeiten in einem anderen EU Staat erleichtern sollen.

Darunter zählt zum Beispiel die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Diese besagt, dass ein EU Bürger keine Arbeitserlaubnis benötigt um in einem anderen EU Land zu arbeiten. Auch der Umzug in das Land, in dem man arbeitet wird nicht limitiert, auch dann nicht, wenn die Arbeitstätigkeit beendet wird.

Zum Zwecke der Arbeitssuche darf ein EU Bürger bis zu drei Monate in einem anderen EU Land, EWR Land oder in der Schweiz leben. In diesem Zeitraum muss die Arbeitslosenversicherung des eigentlichen Heimatlandes (Wohnsitzlandes) weiter zahlen. Die Bedingungen dafür sind, dass der Betroffene im Wohnsitzland mindestens einen Monat Arbeit gesucht hat, aber nicht erfolgreich war.

Die Anerkennung bestimmter Berufsabschlüssen ist vor allem dann erforderlich, wenn der Beruf in dem Land, in dem man arbeiten möchte reglementiert ist. Dies ist zum Beispiel bei Ärzten, Lehrern und Architekten der Fall.

Was sollte man als Grenzgänger zwischen Deutschland und Österreich beachten?Generell gilt, dass man sich vor der eigentlichen Arbeitssuche unbedingt mit dem Zustand des Arbeitsmarktes und den gesetzlichen Regelungen des neuen Beschäftigungslandes beschäftigen sollte. Die wichtigsten Fakten in der deutsch-österreichischen Grenzregion haben wir hier zusammengefasst.

Arbeitserlaubnis Eine Arbeitserlaubnis in Deutschland und Österreich ist für EU Bürger, sowie für Lichtensteiner, Schweizer, Isländer und Norweger nicht nötig. Eine Ausnahme bilden in Deutschland kroatische Bürger und in Österreich bulgarische und rumänische Bürger. In Österreich ist es außerdem Pflicht eine Anmeldebescheinigung nachweisen zu könne, wenn man länger als drei Monate in Österreich arbeitet.

Arbeitsbedingungen

In Deutschland ist eine 48h Woche gesetzlich erlaubt. Für Sonn- und Feiertage gilt eine 24 stündige Ruhe. In Deutschland wird in der Regel eine sechsmonatige Probezeit vereinbart. Die Kündigungsfrist muss mindestens zwei Wochen betragen. Der Urlaubsanspruch in Deutschland ist auf mindestens 20 Abeitstage festgeschrieben.

In Österreich ist eine 40h Woche erlaubt. Das gesamte Wochenende ist Ruhezeit, insgesamt sind das 36h. Die Probezeit ist in Österreich nur einen Monat lang, allerdings kann die Kündigung in dieser Zeit ohne besonderen Grund fristlos erfolgen. Der Urlaubsanspruch liegt in Österreich bei 25 Arbeitstagen pro Jahr.

Mindestlohn In Deutschland gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50€. In Österreich wird der Mindestlohn in jeder Branche einzeln ausgehandelt. Überstundenzuschlag In Deutschland hat man keinen Anspruch auf einen Überstundenzuschlag. In Österreich hingegen liegt dieser bei einem Zuschlag von 50% oder ein angemessener Zeitausgleich.

Kündigung In Deutschland muss die Kündigung schriftlich erfolgen, in Österreich ist dies auch mündlich möglich. In Deutschland haben alle Angestellten und Arbeiter die gleichen Kündigungsfristen, in Österreich kann dies variieren. In Deutschland besteht kein Anspruch auf Abfindung, in Österreich aber schon.

 

Arbeitslosenversicherung  

Das Arbeitslosengeld ist von der Versicherung im Wohnsitzland zu zahlen. Ist das Wohnsitzland Deutschland, muss das Versicherungsverhältnis mindestens 360 Tage in den letzten zwei Jahren bevor die Arbeitslosenmeldung gemacht wurde bestanden haben. In Österreich kann man die Versicherungsleistung erst in Anspruch nehmen, wenn mindestens 52 Versicherungswochen aus den letzten zwei Jahren zu Buche stehen. Bei unter 25 Jährigen reichen allerdings auch 26 Wochen Versicherungszeit aus dem letzten Jahr.

Krankenversicherung Grundsätzlich sind sich das deutsche und das österreichische Versicherungssystem hier relativ ähnlich. Einige besondere Merkmale in Österreich sind, dass die Krankenkasse nicht frei gewählt werden kann, denn diese wird nach Branche und Region festgelegt. Außerdem sind die Beiträge für Arbeiter, Angestellte und andere Gruppen unterschiedlich und niedriger als in Deutschland. Die E-Card ist in Österreich sehr wichtig, denn darauf sind die persönlichen Daten des Versicherungsnehmers gespeichert.

Wenn man in Deutschland arbeitet, aber in Österreich wohnt, muss man sich vor Arbeitsantritt bei einer deutschen Krankenversicherung absichern lassen. Die Anmeldung übernimmt der Arbeitgeber.

Wenn man in Österreich arbeitet und in Deutschland wohnt, wird man automatisch vom Arbeitgeber in der österreichischen Gebietskrankenkasse angemeldet.

Pflegeversicherung

Auch hier unterscheiden sich die Systeme in Deutschland und Österreich kaum. Wenn man in Deutschland arbeitet und in Österreich wohnt, zahlt man über die Krankenkasse auch in die Pflegeversicherung ein. Der Anspruch auf Pflegegeld gilt auch dann, wenn man in einem anderen EU Staat lebt. Wenn man in Österreich arbeitet und in Deutschland lebt, hat man keinen Anspruch auf Pflegegeld, denn dieser gilt nur, wenn man in Österreich wohnt.

Rentenversicherung/ Pensionsversicherung

Wenn man länger als 12 Monate in einem Land arbeitet, erhält man eine Rente oder eine Pension. Wenn man weniger als 12 Monate in einem anderen Land arbeitet, wird dieser Zeitraum im Wohnsitzland angerechnet. Mindestens vier Monate vor Antritt der Rente bzw. Pension sollte dies im Wohnsitzland beantragt werden.

Unfallversicherung

Wenn man in Deutschland arbeitet, aber in Österreich wohnt, ist man in der Regel über den Arbeitgeber unfallversichert. Sollte zusätzlich auch in Österreich gearbeitet werden, muss die Unfallversicherung in Österreich für beide Arbeitsverhältnisse abschließen. Wenn man in Österreich arbeitet, aber in Deutschland wohnt, wird die Unfallversicherung ebenfalls vom Arbeitgeber mitgezahlt.

Lebensversicherung

In der Regel ändert sich an einer einmal abgeschlossenen Lebensversicherung nichts, auch wenn man in ein anderes Land umzieht. Zur Sicherheit sollte allerdings der Wohnortwechsel und mögliche Folgen auf die Versicherungsleistung mit dem Versicherungsunternehmen abgeklärt werden. Eine schriftliche Bestätigung ist hier die sicherste Lösung.

Fazit

Durch die offenen europäischen Grenzen ist es relativ leicht in einem anderen EU Staat zu arbeiten. Aber vor allem die Situation und Regelungen am Arbeitsmarkt sind von Land zu Land unterschiedlich. Deshalb sollte man sich vorher gut informieren auf was man achten muss und welche Rechte und Pflichten man hat. Die Sozialversicherungen sind ebenfalls ein wichtiges Kriterium, denn bei Grenzgänger gibt es teilweise Besonderheiten. Mit der richtigen Vorbereitung ist es für Grenzgänger aber kein Problem zurechtzukommen.

 

Artikel weiterempfehlen:

+ Jetzt verfassen

Kommentar verfassen





Wir trauern