Wo das Waldviertel ans Weinviertel grenzt

Online  Redaktion Tips Redaktion Online Redaktion, 16.03.2017 11:25 Uhr

SCHÖNBERG AM KAMP/KREMS-LAND. Der Manhartsberg trennt das Wald- vom Weinviertel. Der langgezogene Höhenrücken ist auch der Ostrand des Granit- und Gneishochlandes. Die schönste Wandertour zum höchsten Punkt beginnt im Kamptal.

von ERICH SCHACHERL

 

Die Erinnerung ist noch da an den Manhartsberg, der im Geografie- und Geschichteunterricht in den 1970ern immer wieder auftauchte. Als Junge aus dem oberösterreichischen Innviertel stellte ich mir einen Berg wie den Salzburger Untersberg oder den Dachstein vor. Weit gefehlt. Der Manhartsberg ist ein langgezogener Höhenrücken, der in der ihn umgebenden Landschaft eher als Geländestufe denn als Berg wahrnehmbar ist. Der höchste Punkt mit 537 m liegt unspektakulär mitten im Wald und erst seit dem Jahr 2005 befindet sich dort ein Gipfelkreuz, allerdings ohne echten Gipfel. Die Besonderheit des Manhartsberges liegt in der Geschichtsschreibung. Seit der Zeit von Premysl Ottokar II. (13.Jahrhundert) bis zum Jahr 1869 war das Waldviertel als „Viertel ober dem Manhartsberg“ und das östlich angrenzende Weinviertel als „Viertel unter dem Manhartsberg“ bekannt. 

 

Weingärten und Wald

Die Wanderung beginnt bei der Alten Schmiede in Schönberg am Kamp. Ich folge dem „Manhartsbergweg Nr. 57“ der mich aus dem für s ei ne b e s o n d e r e n Weißweine b ek a n nt e n Weinbauort hinausführt. Eine leicht ansteigende Asphaltstraße leitet mich nach zirka 15 Minuten zu den Resten der Ruine Schonenburg, die auf die Gründung des Ortes durch das Geschlecht der Schönberger, einer Seitenlinie der Kuenringer, verweist. Etwa 35 Minuten benötige ich für den Anstieg aus dem Kamptal heraus, bis das Gelände wieder etwas flacher wird. Beim Anblick eines von Wäldern umgebenen Weingartens wird die hier verlaufende Grenze zwischen Wald- und Weinviertel deutlich sichtbar. Etwa eine Stunde nach dem Abmarsch trennt sich der Manhartsbergweg vom Schlossbergweg, ich halte mich links. Weitere 15 Minuten später die nächste Wegkreuzung, an der ich Weg 57 verlasse, er zweigt links ab, ich gehe gerade weiter und betrete den weiß-rot-weiß markierten „Misson Weg“. Benannt ist diese Route nach dem Mundartdichter Joseph Misson, der im nahe gelegenen Mühlbach am Manhartsberg im Jahr 1803 geboren wurde.

 

Durchs Wildschweingatter

Die Markierung ist gut und führt mich nach einer weiteren Stunde nach Olbersdorf am Manhartsberg. Bei der Kapelle in der Ortsmitte wende ich mich nach links, durchquere das Dorf und stoße auf den „1. Europa Kreuzweg“, der 1990 hier angelegt wurde. Bei Station Nr. 8 gehe ich links in den Wald hinein und orientiere mich wieder am „Misson Weg“. Entlang eines Wildschweingatterzaunes schreite ich weiter und nähere mich meinem Ziel. Allerdings gilt es das Gatter vorher noch zu durchqueren. Hunde sind dabei nicht erlaubt. Gerade als ich die mächtige Umzäunung überstiegen habe, rast ein Wildschwein in einigen Meter Entfernung an mir vorüber. Eine kurze Schrecksekunde, aber mir wird klar, das Tier hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm. Es bleibt auch bei dieser Begegnung, zehn Minuten später verlasse ich das Gatter wieder, wende mich nach der Zaunüberquerung nach links und bin wenige Minuten später beim höchsten Punkt des Manhartsberges. Nach einer Rast mache ich mich auf den Rückweg und folge dabei genau meiner Anstiegsroute. Ich brauche dafür knappe zwei Stunden. 

 

GEHZEIT: ca. 5 Std (ca. 18 km)

WEGBESCHAFFENHEIT: Forstwege, Asphaltstraßen, Waldpfade

 

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