Beim Klettersteigen gehts gut gesichert in ungeahnte Höhen

Claudia Schallauer, , 02.06.2021 18:50 Uhr

TRATTENBACH. Seit 2015 bietet die Beisteinmauer mit ihrem sehr variantenreich gestalteten Klettersteig-Felsen ein tolles Übungsterrain für (mutige) Anfänger bis hin zu Fortgeschrittenen. Oben winkt ein Gipfelkreuz. Unten beim Parkplatz geniale Verköstigung.

 

In den letzten Jahren sprießen die Klettersteige aus dem Boden bzw. gen Himmel und darum möchte ich euch heute zu einem Ausflug in die euch vielleicht noch unbekannte Welt des Klettersteigens einladen. Fakt ist, Klettersteigen wird von vielen verharmlost, man kauft sich ein Set und geht los und macht teils fatale Fehler, die im besten Fall keine Auswirkung haben. Klettersteigen macht viel mehr Freude, wenn man es richtig erlernt - am besten bei einem der Einsteigerkurse der alpinen Vereine.

 

Was ist Klettersteigen?

In meinen Worten: an einem Stahlseil gesichertes Kraxeln, eine Mischung aus Wandern mit Händen bis hin zu senkrechtem Klettern, unterstützt durch Trittstifte, Klammern, Leitern und dem Stahlseil, an dessen Führung man gesichert eine Route zu einem Gipfel erklimmt. Meist ist das Seil durchgängig, manchmal durch leichte Gehpassagen unterbrochen. Es gibt keinen Totalabsturz (außer bei fehlerhafter Benutzung des Sicherungssets) durch ständiges Gesichert-Sein, aber man kann bis zur letzten Zwischensicherung zurück rutschen. Stürzen sollte durch aufmerksames Steigen unbedingt vermieden werden.

 

Übungsplatz Beisteinmauer

Heute geht„s zur Beisteinmauer bei Trattenbach. Hier liegen zahlreiche geniale Übungsmöglichkeiten auf einem Felsen nebeneinander und durch die kurzen Routen kann für jedes Niveau und jede Ausdauer die richtige Intensität trainiert werden. Die Schwierigkeiten bewegen sich von B/C bis E, die Höhe je Route reicht von 70 bis 120 Höhenmeter (Im Vergleich: Der Mahdlgupf am Attersee hat 600 Höhenmeter) - hier kann man super rausfinden, wie fit man schon für längere Touren ist. Dazu: eine extrem lange Seilbrücke und eine spektakuläre Himmelsleiter.

 

Das Tages-Menü

Anfänger-Optionen: An der Route Hetschi (Nr. 2) geht nix vorbei, die braucht es, um zur Plattform zu gelangen, von wo aus man einen tollen Überblick über den ganzen Klettersteigfelsen hat. Super zu Beginn Karin (Nr. 3) oder über die Seilbrücke zum Trattenbacher KS(Nr. 5) – die Nummern beziehen sich auf Topo der Beisteinmauer von www.bergsteigen.com.

Je mehr man probiert, desto besser findet man seine Stärken heraus: Bist du stark im Kopf bei Querungen, hast du eine gute Armkraft bei sehr senkrechten Routen und wie geht“s dir bei der Himmelsleiter? Übung macht den Meister.

Oft reichen zu Beginn schon zwei Routen ab der Plattform, denn auch der Abstieg ist ein leichter Klettersteig mit Leitern. Manche Routen haben Notausstiege wie die Nr. 5, was bedeutet, dass man die Route abkürzen kann, wenn man nach der Himmelsleiter schon etwas außer Kraft ist. Einfach mitstoppen, dann bekommt man ein gutes Gefühl, wie lange man in etwa für die Höhenmeter der gewählten Route (stehen auf der Topo) benötigt.

 

Ich wünsche dir viel Freude beim Einstieg in diese neue Sportart, die man am besten mit ein oder zwei Freunden ausübt, aber nach etwas Erfahrung auch alleine praktizieren kann.Ein kleiner Tipp zum Schluss:Falls ihr Klettersteigen wollt und jemand aus eurer Familie wandern und ihr euch am Gipfel treffen wollt, bietet sich der Poppenberg in Hinterstoder an.

 

Claudias Tipp: Die wichtigstenInfos zum Klettersteigen:

AUSRÜSTUNG: Gurt, Klettersteig-Set, Helm, Klettersteighandschuhe, nichts Loses außen am Rucksack (v.a.Trinkflaschen), Klettersteigschuhe oder eventuell zu Beginn feste Bergschuhe. Für den Abstieg: zusammenklappbare Stecken

PLANUNG: Wetterbericht von 2-3 Tagen beachten. Nässe kann Abstiege extrem unangenehm machen, und mit matschigen Schuhen ist es um ein Vielfaches schwieriger. Topo (= Routen)ausdrucken und studieren: wo sind die Schlüsselstellen (die schwierigsten), wo gute Rastplätze, gibt es Notausstiege?

KLETTERTECHNIK: Kurz Finger, Schultern, Hüfte aufwärmen, gründlicher Partnercheck bevor es losgeht – ist alles richtig verschlossen und rückgesichert? Viel steigen! Die Füße klettern, die Hände stabilisieren. Anfängerziehen sehr viel, was sehr schnell die Arme ermüdet. Auch bei kurzen Pausen die Arme strecken. Beide Karabiner im ersten Abschnitt einhängen, dann immer einen umhängen, dann erst den anderen, sodass man immer mit einem Karabiner gesichert ist. Nur eine Person in einem Abschnitt. Und vor allem:vorausschauend klettern.

 

TOURENINFOS

AUSGANGSPUNKT: N 47° 55„ 16“; E 14° 21„ 2“ Eigener Parkplatz für ca. 15 Autos bei Trattenbach bei Ternberg, Parkgebühr, die eine Mineralflasche vom Automaten inkludiert

ROUTEN: Von B/C (einfach) bis E (sehr schwierig), Topographie der Beisteinmauer auf www.bergsteigen.com

GEEIGNET FÜR: Alle, die schon beim Wandern gernedie Hände benutzen

LITERATURTIPP: Klettersteig-Atlas Österreich, der 2020 neu aufgelegt wurde

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