122 Millionen Euro vererbt: Warum Testamentsspenden für Österreichs Hilfsorganisationen immer wichtiger werden
ÖSTERREICH. Immer mehr Menschen wollen über ihr Leben hinaus Gutes bewirken. Testamentsspenden erreichten in Österreich jetzt einen neuen Rekordwert.

122 Millionen Euro für den guten Zweck: Was viele erst auf den zweiten Blick wahrnehmen, ist für Österreichs Hilfsorganisationen längst ein entscheidender Faktor geworden. Denn immer mehr Menschen setzen gemeinnützige Anliegen in ihrem letzten Willen fest – und sorgen damit weit über ihr eigenes Leben hinaus für Hilfe, Forschung, Pflege oder Umweltschutz.
Jeder neunte Spendeneuro kommt aus einem Testament
Laut einer Hochrechnung des Fundraising Verband Austria wurden im Vorjahr 122 Millionen Euro testamentarisch an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. Damit stammt inzwischen fast jeder neunte Spendeneuro in Österreich aus einem Testament. Besonders bemerkenswert: Innerhalb von zehn Jahren ist dieses Spendenaufkommen um mehr als 120 Prozent gestiegen.
Hinter dem Boom steckt ein klarer gesellschaftlicher Wandel. Mehr Menschen leben kinderlos oder allein, gleichzeitig wächst der Wunsch, mit dem eigenen Vermögen etwas Sinnvolles zu hinterlassen. Testamentsspenden finanzieren heute wichtige Projekte in der Kinderhilfe, Pflege, Bildung, Wissenschaft, Kultur sowie im Tier-, Umwelt- und Klimaschutz.
Kinderlose Menschen zeigen besonders großes Interesse
Vor allem alleinstehende und kinderlose Personen entscheiden sich für diese Form des Gebens. Mehr als 90 Prozent der Testamentsspenden stammen aus dieser Gruppe. Im Schnitt werden laut Initiative „Vergissmeinnicht“ zwischen 50.000 und 100.000 Euro vererbt.
Auch die Umfragewerte zeigen, wie stark das Thema an Bedeutung gewinnt. Mehr als die Hälfte der Befragten über 40 möchte mit einer Testamentsspende nach dem Tod noch Gutes bewirken. Viele nennen außerdem den persönlichen Bezug zu einer Organisation als Motiv. Ein weiterer häufiger Grund: Das eigene Vermögen soll nicht automatisch an den Staat fallen.
Blühendes Danke in Schönbrunn
Wie groß die Bedeutung dieser Spenden inzwischen ist, wurde am 8. April auch im Schlosspark Schönbrunn sichtbar. Dort setzten Vertreter von 100 gemeinnützigen Organisationen mit dem Pflanzen von Vergissmeinnicht ein symbolisches Zeichen des Danks. Zusätzlich wurden tausend Blumentöpfe mit Vergissmeinnicht-Samen an die Bevölkerung verteilt.
Die Botschaft dahinter ist klar: Jede Testamentsspende kann neue Projekte möglich machen, die sonst nicht finanziert würden. Davon profitieren ganz unterschiedliche Bereiche – von der Unterstützung blinder und sehschwacher Menschen bis hin zu unabhängigem Umweltschutz.
Großer Informationsbedarf beim Erben
Trotz des wachsenden Interesses bleibt das Thema für viele heikel. Nur 31 Prozent der Menschen über 40 haben bisher ein Testament errichtet. Gleichzeitig fühlt sich jeder Zweite beim Erbrecht wenig oder gar nicht informiert. Genau hier will die Initiative „Vergissmeinnicht“ gemeinsam mit 100 Organisationen und in Kooperation mit der Notariatskammer aufklären.
„Auch im Umweltschutz bewirken Erbschaften Großes :“Immer mehr Menschen möchten über ihr eigenes Leben hinaus Verantwortung übernehmen – für ihre Liebsten und auch für die Umwelt, in der sie leben. Greenpeace nimmt kein Geld von Politik oder Unternehmen. So sind wir ausschließlich dem Schutz unserer Umwelt verpflichtet. Testamentsspenden tragen entscheidend dazu bei, diese Unabhängigkeit auch langfristig abzusichern und unseren Einsatz für die Umwelt dauerhaft zu ermöglichen“, so Jasmin Zuba von Greenpeace.


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