Die grüne Transformation
OÖ. Der Bedarf an Strom steigt, die Pläne zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sind ehrgeizig. Oberösterreich setzt stark auf Photovoltaik, kritisiert wird, dass das Windkraft-Potenzial nicht ausgeschöpft wird.

Bis zum Jahr 2040 wird sich der Strombedarf in Österreich laut Prognosen nahezu verdoppeln. Oberösterreich hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen bis 2030 auf über 90 Prozent zu steigern. „Wir sind auf einem guten Weg, schon jetzt bei mehr als drei Viertel“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) bei der Präsentation weiterer Photovoltaik (PV)-Projekte der Energie AG.
45 Millionen Euro plant die Energie AG in den nächsten Jahren in PV zu investieren, darunter in die Erweiterung der bestehenden Anlage bei der Aschehalde in Timelkam/Mühlfeld auf die Größe von etwa drei Fußballfeldern. Langfristig will die Energie AG – die bis 2035 klimaneutral sein will – bis 2035 zusätzlich 460 Gigawattstunden jährlich an elektrischer Energie aus eigenen PV-Anlagen erzeugen. Das entspricht einer Verzwanzigfachung der bisherigen Strommenge bzw. einem Plus von einer Fläche von 600 Fußballfeldern.
Mit dem Ausbau entspräche man auch dem Wunsch der Menschen, so Energie AG CEO Leonhard Schitter. „Drei Viertel der Österreicher wünschen sich den Erneuerbaren-Ausbau. Am meisten Zuspruch gibt es für Solarstrom.“
70.000 PV-Anlagen
Mehr als 70.000 PV-Anlagen sind aktuell in Oberösterreich in Betrieb. 100 Projekte warteten laut Achleitner auf Genehmigung. Aber nicht nur bei der PV-Nutzung sei Oberösterreich im Bundesländervergleich vorne. „Bei der Nutzung von Wasserkraft, Biomasse, Sonnenenergie und Geothermie liegen wir auf Platz eins, bei der Nutzung der Windkraft auf Platz vier“, so Achleitner.
Streitpunkt Windkraft
Das ist Windkraft-Befürwortern zu wenig, der schwarz-blauen Landesregierung wird hier Blockadehaltung vorgeworfen. Aktuell 31 Windräder drehen sich in Oberösterreich (zum Vergleich: Niederösterreich 762, Steiermark 114). In Vorderweißenbach und im Kobernaußer Wald wird ausgebaut, wie die Landesregierung im Frühjahr bekannt gab. Der Ausbau im Kobernaußer Wald würde zu einer Verfünffachung der Windkraft sorgen, Investitionsvolumen 100 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren, so Landeshauptmann Stelzer damals.
Die Pläne seien zu zögerlich, kritisiert Klimaschutz-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne), der im Herbst letzten Jahres die Forderung nach 100 neuen Windrädern bis 2030 aufgestellt hat.
Dem gegenüber stehen wiederum Bedenken über geeignete Flächen, nötige Windstärke und Tier- und Naturschutz. So hat Umweltanwalt Martin Donat Oberösterreich praktisch zum Nicht-Windkraft-Land erklärt. 90 Prozent seien wegen des nötigen Abstandes zu Wohngebieten (bei über 0,5 Megawatt Leistung 1.000 Meter) ungeeignet. Laut BirdLife-Studie seien auch Vogel- und Fledermausarten gefährdet. Unter anderem mit letzterem argumentiert auch Naturschutz-Landesrat Manfred Haimbuchner (FPÖ), der sich in seinem Kurs beim Thema Windkraft als „pragmatischer Realist“ bestätigt sieht.
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Bis zu 400 Windräder gefordert
Auf völliges Unverständnis treffen die Aussagen der Umweltanwaltschaft unter anderem bei der IG Windkraft. Diese sieht ein Potenzial von 400 Windrädern in OÖ, bis 2030 könnten bereits 200 errichtet sein. Dafür würde nur ein halbes Prozent der Landesfläche benötigt werden, diese sei fast komplett weiterhin land- oder forstwirtschaftlich nutzbar, so Joachim Payr, Omann der IG Windkraft OÖ. Abstände zu Wohngebäuden sollten sich an fachlichen Kriterien orientieren, sieht IG Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl, „überschießende Mindestabstände.“
Mit der Notwendigkeit für Windräder zur Absicherung des Industriestandortes argumentiert auch die Wirtschaftskammer OÖ: Laut von der WKOÖ in Auftrag gegebene Studie beim Energieinstitut an der JKU gebe es ein Potenzial von rund 340 Windkraftanlagen. „Um die Energiewende schaffen zu können, muss Oberösterreich als energieintensiver Produktionsstandort alle Möglichkeiten ausschöpfen“, appelliert WKOÖ-Vizepräsident Clemens Malina-Altzinger.
Jedes eingereichte Windkraftprojekt werde geprüft, wenn genehmigungsfähig, werde es auch bewilligt, so Landesrat Achleitner angesichts der Forderungen.
OÖ setzt auf Energie-Mix
Nicht nur Stelzer und Achleitner verweisen darauf, dass Oberösterreich auf einen Energie-Mix setze, dieser ist auch laut Energie AG-CEO Leonhard Schitter notwendig. „Alle Erzeugungsarten – Wasser, Wind, Sonne, aber auch Biomasse spielen für uns eine große Rolle. Es braucht den Mix bei den Erzeugungsarten, Wind wird uns da weiterhelfen und weiterhelfen müssen. Wir sind derzeit dabei, die neuen Windkraftanlagen im Kobernaußerwald zu projektieren. Das wird aber auch bedeuten, dass wir uns auch im Ausland um Windprojekte kümmern.“
Beim Thema Netzausbau seien schnellere Verfahren notwendig, so Schitter: „Um Wind und Sonne noch stärker forcieren zu können, braucht es auch die Netze. Es braucht den massiven Ausbau und Investitionen in die Netze. Auch da braucht es schnellere Verfahren. Da sind wir noch zu langsam, da braucht es eine Beschleunigung - weil wir die Energiewende als gemeinsames Projekt sehen und damit auch ein Gemeinschaftsprojekt umsetzen wollen.“


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